Dirk Röse Sonnenaufgang

Lesungen. Gedanken. Ereignisse. Begegnungen.

Bücher. Lieder. Bilder. Menschen.

Erlebtes als Möglichkeit zur Teilgabe. Erinnertes als Angebot zur Teilhabe. 
Ein Monolog, kein Dialog. Hybris eines Kreativen.


Freitag, 15. Oktober 2021

Frauen und Männer in der Sprache angemessen berücksichtigen. Gestern Abend sah ich einen Film, in dem eine Frau über sich selbst sagte: »Wer liest schon seine E-mails?« Hätte sie nicht sagen sollen: »Wer liest schon ihre E-mails?« Doch das hätte geklungen, als ginge es um irgendwelche Dritte, die aus Desinteresse die Mails dieser Frau natürlich nicht lesen. Auch eine neutrale Formulierung wie: »Wer liest schon eigene Mails?« hätte genau genommen nur auf selbstverfasste Nachrichten verwiesen. Die Lösung hätte darin bestanden, die abwertende Aussage der Frage zu fokussieren: »Wer liest denn noch Mails?« Die deutsche Sprache eignet sich nicht zum konsequenten Gendern, sondern maximal zur Neutralität, mit der Gendern vermieden wird.

Dirk Röse Ampel

Dienstag, 12. Oktober 2021

Es ist kein Wunder. Wir sind ein Land, das sich schwer tut mit der eigenen Führungsriege. Kurzfristige Begeisterung weicht schnell einer gesunden Ernüchterung. Die Achtung der Wählenden muss man sich verdienen.

 

Es ist kein Wunder. Dass Annalena Baerbock ihren anfänglichen Höhenflug als Kanzlerkandidatin nicht aufrechterhalten konnte. Es wäre auch ohne die bekannten Fehltritte schwer geworden. Abstürze sind bei solchen Kandidaturen kein Einzelfall, man erinnere sich nur an Martin Schulz.

 

Es ist kein Wunder. Dass Armin Laschet nach sechzehn Jahren Angela Merkel kämpfen musste. Sein politisches Charisma war für die Bundesebene nicht ausgeprägt genug. Auch Markus Söder hätte Mühe gehabt, die breite Wählerschaft mit der offensichtlichen Vordergründigkeit zu überzeugen.

 

Es ist kein Wunder. Dass Olaf Scholz profitierte. Staatstragende Zurückhaltung und ein untertouriger Wahlkampf waren in dieser Situation die richtige Vorgehensweise. Über Eignung oder Luftnummer sagt das noch nichts aus. Er wird sehr bald aus der Deckung kommen müssen.

 

Es ist kein Wunder. Dass die CDU nun in sich zusammenfällt. Man ging dort immer noch davon aus, dass die Partei über genügend Substanz verfügt. Doch ein über vier Amtsperioden laufender Regierungsbetrieb ließ nahezu unbemerkt Hohlräume entstehen. Plombieren hilft da nichts, es muss ein neuer Zahn her.

 

Erstaunlich ist, wie souverän jetzt FDP und Grüne die öffentliche Bühne bestimmen. Die SPD bleibt weiterhin weitgehend unsichtbar. Es ist, als ob Politik in Deutschland ab jetzt von den kleineren Parteien gemacht wird. In gewisser Hinsicht ist das auch angemessen, denn die Parteienlandschaft hat sich verändert. Nur mit dem Kunstgriff einer Großen Koalition konnten wir jahrelang darüber hinwegtäuschen, dass die großen Volksparteien längst nur noch relativ große Parteien sind, die für eine Regierungsmehrheit auf ein Dreierbündnis angewiesen sind. FDP und Grüne haben das offenbar verstanden und wollen nun zeigen, wie Regieren zukünftig geht. Nun muss es nur noch gelingen.

Dirk Röse Natur

Samstag, 25. September 2021

Wir werden scheitern. 65 % weniger Treibhausgasemissionen bis 2030 – in Deutschland und im Vergleich zu 1990 – sind mit uns nicht zu machen. Wir lügen, wir taktieren, wir machen allzu kleine Schritte, wir bleiben ratlos und wir hoffen immer noch darauf, dass wir am Ende ohne größere Einschnitte in unser gewohntes Leben davon kommen. Es wird so nicht funktionieren.

 

Die EU legt Rahmenpläne vor, Deutschland ruft Ziele aus und niemand weiß, was das im Einzelfall für Individuum, Unternehmen, Städte und Gemeinden sowie für die Gesellschaft bedeutet. Dabei sind die neun Jahre bis 2030 nur dann ein langer Zielhorizont, wenn Veränderungen zügig und mit Nachdruck eingeleitet werden. Doch ganz im Ernst: Wer möchte das? Wer möchte das durchsetzen? Wer möchte das erleben?

 

Drei Milliarden zusätzliche Bäume in Europa, aussichtsreiche Projekte zur Nutzung von Biokohle, verstärkte Forschung zur wasserstoffbasierten Energie, die Klassiker Wind- und Solarenergie, die engeren Daumenschrauben beim Emissionshandel und vieles mehr sind bewundernswerte Anstrengungen, um Treibhausgase zu vermeiden bzw. zu verringern. Und sie alle sind darauf ausgelegt, unseren Lebensstil unverändert aufrechtzuerhalten. Klar, das wünsche ich mir auch – und bitte auch mit weltweitem Potenzial, damit Afrika und andere Regionen gleichziehen können. Und mich treibt das ungute Gefühl um, dass es so nicht gehen wird.

 

Denn zugleich verstärken wir Entwicklungen, die nicht in jedem Fall zu mehr Klimafreundlichkeit führen. Insbesondere unser Bedarf an Strom wird weiterhin gewaltig zunehmen. Auf die seit Jahren gut etablierten Stromfresser in Industrie, Handel und Haushalt satteln wir tatsächlich zusätzliche Faktoren auf, so z. B. Elektroautos, Smartphones und Digitalisierung, und setzen auf eine Ernährungswirtschaft, die ohne gewaltige Kühlketten nicht mehr existieren kann. Und ganz nebenbei müssen nun auch Radfahren und Rauchen elektrisiert werden. Nicht alle diese Punkte sind ihrer Klimarelevanz ausschlaggebend, bestätigen aber die ungebrochene Tendenz nach »immer mehr« statt »jetzt mal weniger«. Weniger Strom, weniger fossile Energieträger, weniger Neues, weniger Mobilität, weniger Fleisch, weniger … 

 

Die Ökobilanz eines Elektroautos wird erst nach 127.000 gefahrenen Kilometern besser als die eines Benziners und nach 219.000 gefahrenen Kilometern günstiger als beim Diesel. Hintergrund sind die Herstellung und der derzeitige Strommix in Deutschland. Für einen nennenswerten Fortschritt in Sachen Umwelt- und Klimaschutz ist mir das noch zu wenig.

 

Werden wir wirklich umhin kommen, Prioritäten zu setzen und uns für das eine und gegen das andere zu entscheiden? Diese gesellschaftliche Debatte traut sich niemand zu. Und deshalb werden wir scheitern. Und, ja, es wird auch an mir liegen.

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Samstag, 4. September 2021

»Squirrel's Snackbar«. Es ist schön, am Wochenende frühstücken zu gehen. Man steht auf und der Tisch ist schon gedeckt. Wenn dann auch noch die Sonne scheint, steht dem neuen Tag nichts mehr im Wege.
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Sonntag, 15. August 2021

Selbstbestimmtes Leben? Wir hatten keine Wahl beim Zeitalter. Wir haben uns unser Geburtsland einschließlich Gesellschaftsform nicht ausgesucht. Wir konnten die soziale Schicht nicht wählen. Wir hatten keinen Einfluss auf Eltern, Geschwister und Verwandte. Wir durften unseren Namen nicht bestimmen. Zugeteilt wurde uns auch ein Maß an Schönheit, Verstand und Gesundheit. Über gesellschaftliche und private Prägungen sind wir nicht erhaben. Vieles ist von Anfang an festgelegt und lässt sich nicht abschütteln. Unsere Einflussmöglichkeiten sind begrenzt.

 

In unserer Nische der Weltgeschichte und in unseren Breiten haben wir unglaublich großes Glück und tatsächlich viele Chancen auf Veränderung und Entwicklung. Man muss nicht allzu weit reisen, um in Regionen zu landen, in denen die persönlichen Freiheiten sehr viel geringer sind. Und doch ist auch hierzulande ein selbstbestimmtes Leben immer nur in Maßen möglich. Die allermeisten verharren Zeit ihres Lebens in der Abhängigkeit von gesellschaftlichen, monetären und auch privaten Strukturen. Nicht alles ist machbar, wir sind immer auch Teil eines Ganzen, das uns begrenzt.

 

Selbstbestimmtes Leben ist in dem Radius möglich, den uns die länger oder kürzer gespannten Fesseln lassen. Und wenn wir die Fesseln ausblenden oder akzeptieren, entsteht ein Eindruck von Freiheit.

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Samstag, 17. Juli 2021

»River Deep Mountain High« von Ike & Tina Turner. Wer hätte gedacht, dass Karaoke so viel Spaß macht.
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Donnerstag, 1. Juli 2021

Die erste Autorenlesung seit 2019 und auch eine Premiere in Lingen (Ems). Eingeladen hatte die Stadtbibliothek zu einer »Überraschungslesung«. Die Überraschung lag ganz auf meiner Seite, dass unter den noch sehr präsenten Pandemie-Bedingungen tatsächlich eine ganze Reihe an Gästen kam. Das lag sicher an Elisabeth Tondera, die in der Region als Autorin und Künstlerin bekannt ist und mit der ich im Wechsel las. Die erleichternde Erkenntnis: Es geht noch und auch die alten Geschichten funktionieren nach wie vor. Ein herzlicher Dank gilt Simone Knocke als baldiger Leiterin der Stadtbibliothek und natürlich Elisabeth, die mir die Chance gab.

Dirk Röse Reiten Richard

Samstag, 12. Juni 2021

Achtsamer Ausritt mit Richard.

Erstaunlich, wie viel Karotte da rein passt.

Verblüffend, wie viel Muskeln ich habe.

Donnerstag, 3. Juni 2021

Geimpft ... Ich bin zwei Tage krank und warte auf den umfassenderen Schutz. Das Leben kehrt zurück. Der Winter beendet seine zähen Ausläufer und geht direkt in den Sommer über. Die surreale Leere der Stadt wird durch Menschen verdrängt, die ihre Nasen behutsam der Sonne entgegen strecken. Ein Schatten lag schwer über der Welt und verlängerte Leid um wertvolle Lebenszeit. Plötzlich ist überall Licht. Das Glück liegt in niedrigen Zahlen und schießt direkt durch die Nadel ins Herz.

Dienstag, 23. März 2021

Es war nur eine Frage der Zeit, früher oder später musste es so weit kommen. Ich stehe vor einem Geschäft, will eintreten und möchte zuvor meine Maske aufsetzen. Doch das dusselige Ding ist in keiner Jacken- oder Hosentasche zu finden, dabei bin ich absolut sicher, es eingesteckt zu haben. Dann der zufällige Blick ins Schaufenster. Ich habe die Maske bereits auf ... Eines Tages wird sie auf dem Gesicht festwachsen. Brillenträger wissen, was ich meine. Happy Corona.

Mittwoch, 17. März 2021

Hybride Substrate

Die internationale Substratindustrie steht vor der Herausforderung, ihre Fokussierung auf Torf zugunsten alternativer Ausgangsstoffen aufzugeben. Doch die Umsetzung ist nicht so leicht, wie Politik und NGOs es sich vorstellen. Ohne hybride Kultursubstrate wird es in den nächsten Jahren nicht gehen.

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Der Siegeszug torfbasierter Kultursubstrate begann in den 1960er Jahren. Seit mehr als einem halben Jahrhundert vertrauen weltweit immer mehr Gartenbaubetriebe auf ein ausgereiftes und in großen Mengen verfügbares Produkt, das Kultursicherheit und hohe Erträge gewährleistet. Insbesondere in Europa und Nordamerika hat sich der Produktionsgartenbau nahezu vollständig auf Kultursubstrate eingestellt – und in vielen Segmenten ist Hochmoortorf nach wie vor der wichtigste Ausgangsstoff.

 

Ausstieg aus der Torfgewinnung und -nutzung gefordert

 

Bereits 1981 trat das niedersächsische Moorschutzgesetz in Kraft. Seither führen Politik und Umweltschutz – nicht nur in Deutschland – einen Diskurs mit der Substratindustrie über das Für und Wider der Nutzung von Torf in Kultursubstraten. Vor etwa fünfzehn Jahren erreichte auch die Klimaschutzdebatte die Substratproduzenten und dominiert seitdem die Kontroverse. Das Ziel seitens der Regierungen und NGOs ist für den Umweltschutz und den Klimaschutz dasselbe: Die Substratindustrie soll zügig aus der Gewinnung und Nutzung von Torf aussteigen und ihre Produkte fortan aus alternativen Ausgangsstoffen herstellen. Initiativen dazu gibt es vor allem aus Deutschland, Großbritannien, Österreich und der Schweiz, doch auch in anderen Ländern werden Ausstiegsszenarien erörtert. Gegenwärtig arbeitet die deutsche Bundesregierung mit Nachdruck an Regelwerken, die einen weitgehenden bzw. sogar vollständigen Verzicht auf Torf in Kultursubstraten bis 2030 vorsehen. Angestrebt wird eine Ausweitung dieser Initiative auf die gesamte EU. Beinahe spontan wurde derweil die Torfgewinnung in Irland völlig untersagt, weil der Umweltschutz gewisse Unschärfen in der nationalen Umsetzung von EU-Vorgaben vor Gericht nutzen konnte.

 

Fachleute wissen, dass diese Entwicklung die Existenzgrundlage der Substratbranche betrifft. Es ist, als drohe man der Automobilbranche damit, den Ölhahn zuzudrehen, bevor Elektromobile ein vollumfänglicher Ersatz sind. Torf ist aufgrund einzigartiger physikalischer, chemischer und biologischer Eigenschaften der mit Abstand am besten geeignete Rohstoff für ein kultursicheres Substrat. Alternative Ausgangsstoffe haben auch ihre spezifischen Vorteile, doch am Ende ist es Hochmoortorf, der eine hybride Substratmischung zu einem homogenen Ganzen zusammenfügt und die vom Gartenbaubetrieb gewünschte Funktionalität und Kultursicherheit gewährleistet.

 

Ausgedehnte Übergangsphase

 

Ungeachtet der andauernden Kritik setzte die Substratindustrie jahrzehntelang weiter auf Torf. Sie erschloss zusätzliche Ressourcen und entwickelte wahre Hochleistungsprodukte, die eine anspruchsvolle Benchmark für hybride Substratmischungen bilden. Parallel dazu aber begann die Branche mit dem Einsatz alternativer Ausgangsstoffe. Das Selbstverständnis der Produzenten war kein vom Rest der Welt getrenntes Universum, sondern vollzog das zunehmende gesellschaftliche Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutz mit. Längst sind Holzfasern, Grünkompost, Kokos, Perlite und Rinden im allgemeinen Rohstoffmix fest etabliert, können zu immer größeren Anteilen eingesetzt werden, und hybride Substratmischungen nähern sich der durch reine Torfprodukte gesetzten Messlatte stetig an. Inzwischen wird jedoch deutlich, dass diese Entwicklung nicht schnell genug voran geht. Politik und NGOs erhöhen den Druck.

 

Spätestens seit der Verabschiedung des Green Deals der Europäischen Union hat sich die allgemeine Stimmungslage in der Substratindustrie gewandelt. Die angestrebte Klimaneutralität bis 2050 ist eine Maßgabe, die auch die Substratproduzenten in die Pflicht nimmt. Selbst dem letzten Torf-Liebhaber ist bewusst, dass die Entwicklung zu immer weniger Torf und immer mehr alternativen Ausgangsstoffen nicht aufzuhalten ist. Torf ist nicht länger „die Antwort“, Torf ist jetzt „ein Teil der Antwort“. Die Branche stellt sich mit Hochdruck um.

 

Kultursicherheit zuerst

 

Doch es bleibt ein ungutes Gefühl. Manch einer erinnert sich an die Markteinführung der ersten Flachbildschirme als Ersatz für die gewohnten Röhren-Fernseher. Die neuen Geräte ließen sich schlank ins Regal stellen, aber das Bild war schlechter und die Bedienung zum Teil umständlich. Anders als bei den TV-Geräten, die trotz der vorübergehenden Rückschritte vom Verbraucher begeistert aufgenommen wurden, bleiben viele Gartenbaubetriebe beim Einsatz alternativer Substratmischungen reserviert. Auf eine verkürzte Formel gebracht, erfordern diese mehr Aufmerksamkeit in der Kulturführung, brauchen mehr Wasser und müssen nachgedüngt werden. Vielerorts ist hier noch echte Überzeugungsarbeit zu leisten.

 

Im Zierpflanzen- und Baumschulbereich ist diese Entwicklung inzwischen weit vorangekommen. Alternative Ausgangsstoffe können mit bis zu 50 Vol.-% sicher eingesetzt werden. Auch die Substrate für den ökologischen Anbau und die Kultur von Soft-Fruits beinhalten hohe Anteile nachwachsender Rohstoffe. Es ist insbesondere das Jungpflanzensegment und damit auch jener Teil des Gartenbaus, der für die Ernährungswirtschaft produziert, in dem der vorzugsweise genutzte Schwarztorf deutlich schwerer zu ersetzen ist. Bis hier die Umstellung von 100 % Torf auf 90 % Torf erfolgreich vollzogen ist, müssen Gartenbaubetrieb und die technische Beratung des Substratherstellers eng zusammenarbeiten. Viele Betriebe atmen erleichtert auf, wenn sie diese Wegstrecke zurückgelegt haben. Doch am Ziel winkt bereits die Umstellung auf 80 % Torf.

 

Angesichts der Resonanz aus den Märkten gerät die Substratbranche in eine Zwickmühle. Ganz gleich, welche Fortschritte sich Politik und NGOs wünschen, die Kultursicherheit muss in jedem Fall gewahrt bleiben. Für den Erfolg der Gartenbaubetriebe ist sie existenziell. In besonderer Weise gilt dies für Gemüsejungpflanzen, deren Verfügbarkeit einen direkten Einfluss auf die Versorgungssicherheit mit gesunden Nahrungsmitteln hat. Die Umstellung auf alternative Ausgangsstoffe in Kultursubstraten kann nur in behutsamen Schritten gelingen und muss für jedes Gartenbausegment gesondert definiert werden.

 

Die Mengen fehlen

 

Um den zuständigen Ministerien in Berlin dennoch griffige Zahlen zu bieten, verabschiedeten die deutschen Substrathersteller im Jahr 2020 eine Selbstverpflichtung, in der sie folgende Zusagen machen:

 

In Substraten für den Produktionsgartenbau wird bis 2025 eine Torfreduzierung von insgesamt 20 % erreicht, im Jahr 2030 werden es 30 % sein.

In Blumen- und Pflanzerden für den Endverbraucher steigt die Torfreduzierung bis 2025 auf insgesamt 50 %, im Jahr 2030 werden es 70 % sein.

 

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) bedankte sich freundlich und antwortete, dass diese Regelung nicht ausreichend sei. Seither erstreckt sich der Diskurs zwischen Politik und Substratindustrie verstärkt auf die Frage der Verfügbarkeit. Hinter jedem zusätzlichen Prozentpunkt einer Selbstverpflichtung oder einer politischen Vorgabe verbirgt sich ein steigender Bedarf an alternativen Ausgangsstoffen. Allein die Umsetzung der für den Hobbybereich geforderten Torfersatzmengen wird zu einem Ansturm auf Holz, Grünreststoffe und Kokos führen und Volumina binden, die der weiteren Entwicklung im Produktionsgartenbau noch engere Grenzen setzt. Selbst wenn Forschung und Entwicklung schon bald deutlich höhere Anteile an alternativen Ausgangsstoffen in den einzelnen Substratsegmenten ermöglichen sollten, so bleibt die begrenzte Verfügbarkeit der dazu notwendigen Rohstoffe ein ungelöstes Problem.

 

Im Hinblick auf Holz und Grünreststoffe steht die Substratindustrie in direktem Wettbewerb zum Energiesektor und anderen Branchen. In der Holzindustrie werden die Substrathersteller längst als ernst zu nehmender Player wahrgenommen. Nicht auszuschließen ist, dass steigender Bedarf und begrenzte Ressourcen zu einem höheren Preisniveau für alternative Ausgangsstoffe führen, die sich im preissensitiven Gefüge der Grünen Branche kaum durchsetzen lassen werden. Nicht auszuschließen ist auch, dass verstärkt Holz- und Kokosrohstoffe angeboten und genutzt werden, die nicht mehr aus nachhaltiger Bewirtschaftung stammen.

 

Nachhaltigkeit zwischen Klimaschutz und Versorgungssicherheit

 

Inwieweit die Substratbranche zukünftig nennenswert zu mehr Nachhaltigkeit und zu einer Minderung von Treibhausgasen beitragen kann, indem sie mehr und mehr auf Torf verzichtet, bleibt abzuwarten. Auch alternative Ausgangsstoffe haben einen CO2-Fußabdruck. Emissionen aus Produktion und Transport lassen sich ebenfalls nicht vollständig vermeiden. Der europäische Branchenverband Growing Media Europe AISBL (GME) mit Sitz in Brüssel arbeitet gegenwärtig an einem Programm, mit dem sich ab dem kommenden Jahr detaillierte LCAs der einzelnen Kultursubstrate ausweisen lassen. Damit erhält die Diskussion um die Klimawirksamkeit der Produkte eine weitere solide Basis.

 

Darüber hinaus laufen auf Branchenebene die Anstrengungen weiter, den Diskurs mit der Politik vom alleingültigen Dogma des Klimaschutzes zu befreien. Versorgungssicherheit in der Ernährungswirtschaft, Wohlbefinden unterstützt durch Zierpflanzen und Aufforstung mit Baumschulpflanzen sind stichhaltige Kriterien, die unmittelbar zu mehr Nachhaltigkeit beitragen, auch wenn sie nicht zwangsläufig die Klimabilanzen verbessern.

 

In der Summe steht die Substratindustrie wie viele anderen Branchen vor der Herausforderung, sich an die neuen Vorgaben einer nachhaltigen Entwicklung anzupassen. Die Produzenten sind auf einem guten Weg. Sie wissen, was ihr Produkt leisten muss und in welchen Mengen es benötigt wird. Sie treiben die Entwicklung zu immer mehr alternativen Ausgangsstoffen im Substrat voran. Gleichzeitig bleiben sie dem Produktionsgartenbau verpflichtet und bieten ihren Kunden auch weiterhin ausschließlich kultursichere Produkte an. Deshalb bleibt der Diskurs um die Zukunft von Torf im Substrat wichtig. Bis auf Weiteres ist der Produktionsgartenbau auf hybride Substrate angewiesen. Ohne Torf geht es noch nicht.

Dirk Röse Frischer Haarschnitt

Mittwoch, 3. März 2021

Lieber Christian Lindner, es stimmt, dass ich von der Politik keinen frischen Haarschnitt erwarte. Eher vertraue ich meinem Friseur die Politik an, als der Politik meine Haare. Es wundert mich nur, eine solche Aussage von jemandem zu hören, der auch im Lockdown stets akkurat frisiert ist. Heute konnte auch ich endlich wieder zum Friseur. Die letzten Monate waren für eitle Männer echt hart. Doch nun fühle ich mich wieder wie ein Mensch. Ich bin gerade echt dankbar für erfrischende Politik ohne Haarspalterei.

Sonntag, 21. Februar 2021

Wir pokern hoch. Angenommen, es gibt doch einen Gott und er bestimmt die Regeln. Dann könnte es beizeiten eine böse Überraschung geben, wenn wir völlig unvorbereitet auf ihn treffen und er sich nicht darum schert, wie wir uns Diesseits und Jenseits, Gut und Böse, Sinn und Unsinn, verantwortliches Dasein vorgestellt haben. Dass wir relativ leichtfertig auf die Ewigkeit zusteuern, bestenfalls an unsere eigenen Vorstellungen des Heiligen glauben oder uns von der regional vorherrschenden Religion vereinnahmen lassen, ist riskant. Wir könnten daneben liegen. Dummerweise haben wir nur diese eine Chance des Lebens, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Es ist ärgerlich, dass auch die sympathischsten und vertrauenswürdigsten Glaubensträger auf völlig unterschiedliche Antworten kommen. Das ist das Gemeine am Jenseitigen. Es ist zu wenig diesseitig. Es geht nicht anders, als dass wir pokern. Es sollte uns aber zumindest bewusst sein, dass wir pokern.

Donnerstag, 11. Februar 2021

Es ist einer dieser Tage, die am nächsten Morgen schon vergessen sind. Mittags stolpere ich in die Pause einiger Kolleg*innen, die coronawidrig zusammenstehen und sich über Rheinischen Sauerbraten unterhalten. Der wird aus Pferdefleisch gemacht. Ich sage: »Gestern noch geritten, heute schon mit Fritten.« Gegen Abend hole ich aus der Apotheke FFP2-Masken, die mir Jens Spahn zur Verfügung gestellt hat. »Zwei Euro«, sagt die Apothekerin. Ich schiebe zwei Euro unter das Plexiglas und sage: »Stimmt so.« Ist das der Sinn dieses Tages? Menschen zum Lachen zu bringen mit Scherzen, die andere sich ausgedacht haben?

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Sonntag, 7. Februar 2021

 »The Day A Pizza Caused My Death«. Liebe Kinder, dieses Lied will erklären, warum Ladungssicherung so wichtig ist. Also, selbst wenn Ihr nur die üblichen Einkäufe getätigt habt, verstaut sie bitte sehr sorgfältig im Auto.
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Freitag, 1. Januar 2021

Ein frohes neues Jahr Euch allen.

Möge es eine gute Zeit werden.

Bleibt gesund und zuversichtlich.

Montag, 14. Dezember 2020

Ich bin kein Freund von Hermann Hesse. Der eine oder andere Gedanke bleibt dennoch hängen. Dass jeder Anfang seinen eigenen Zauber hat, ist immer noch eine nette Beobachtung, auch wenn sie allzu inflationär zitiert wird. Tatsächlich sind die »Stufen« in ihrer Gesamtheit ein großer Wurf. Wichtiger fand ich jedoch den Gedanken in »Siddhartha«, dass im Kind auch schon der Greis angelegt sei. Dürfte man dann nicht formulieren: »Jedem Anfang wohnt ein Ende inne«?

Sonntag, 13. Dezember 2020

Gott wird Mensch. Das bedeutet Weihnachten. Das Christentum ist mit dieser Botschaft nicht originell. Auch andere Religionen verkünden die Menschwerdung ihrer Götter. Der Unterschied aber besteht im Glauben daran, weshalb Gott Mensch wird. Er kommt, um die Menschen zu retten, er kommt um ihretwillen, er kommt aus Liebe zu seinem Geschöpf.

Karfreitag ist der Tag, an dem Menschen diese Liebe in gründlicher Konsequenz ablehnen. Die menschgewordene Liebe Gottes endet am Kreuz. An Ostern hält Gott dagegen, dass seine Liebe dennoch dem Menschen gilt. In der Auferstehung trotzt die menschgewordene Liebe der Ablehnung.

Liebe findet ihren Weg. Das ist Advent. Ins Dunkle kommt das Helle. Zum Abgewandten kommt der Zugewandte. Ins Zeitige kommt das Ewige. Zum Menschlichen kommt das Göttliche. In der Adventszeit harrt die Kreatur auf die Liebe, die einen Weg sucht, bis sie ihn findet.

Dirk Röse Moderation

Dienstag, 15. September 2020

An vier Tagen Moderation einer 90-minütigen Veranstaltung mit Podiumsdiskussion, kleinem Publikum und einer Live-Übertragung in die ganze Welt.

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Freitag, 21. August 2020

Lieber Olaf, dein runder Geburtstag ist nun zwar schon etwas länger her, dennoch gibt es guten Grund, dir noch einmal zu gratulieren. Da ist sie nun endlich - die Anthologie zu deinen Ehren. Ein Handbuch, prallvoll mit allen wichtigen Informationen, die es braucht, um einen Drachen zu reiten. Wir alle werden im Alltag davon profitieren. Und dass sogar du ein wenig Unterstützung gebrauchen könntest, ist mir erst jetzt bewusst geworden. Herzlichen Glückwunsch!
→ Video hinter dem Bild

Montag, 6. Juli 2020

Erwartungen

Der eine oder andere Mitmensch kommt nicht gut damit zurecht, wenn man Erwartungen an ihn richtet. Sie werden als Einengung empfunden und üben Druck aus. Da ist etwas Wahres dran. Eine Erwartungshaltung schränkt das Gegenüber auf eine bestimmte Handlungs-, Denk- oder Gefühlsoption ein.

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Solange das Gegenüber freiwillig dieser Option entspricht bzw. entsprechen möchte, ist das kein Problem. Dann sind Erwartung und Erfüllung deckungsgleich.

Schwierig kann es werden, wenn das Gegenüber lieber einer anderen Option folgen würde oder sich alle denkbaren Optionen offenhalten möchte. Dann kann es sein, dass Erwartung und Erfüllung am Ende auseinanderklaffen. Ob das zum Problem wird, hängt zum einen davon ab, wie massiv die eigene Erwartungshaltung ist und wie stark die Enttäuschung empfunden wird. Zum anderen hängt es davon ab, wie massiv das Gegenüber die Einengung durch die Erwartung empfindet und wie stark der gefühlte Druck ist.

Die saubere Lösung bestünde darin, jegliche Erwartung an andere Menschen aufzugeben. Das hieße dann beispielsweise: »Ich möchte heute etwas kochen, das wir zusammen essen können. Gestern haben wir gemeinsam gekocht. Heute erwarte ich das nicht von dir. Es kann sein, dass ich es allein mache, und es ist in Ordnung. Hauptsache, es schmeckt uns.« Oder: »Gestern haben wir gemeinsam gekocht. Heute ist es in Ordnung, dass du nur für dich allein kochst. Es ist genug Platz in der Küche und ich mache mir selbst etwas zu essen.« Oder: »Ich habe keine Lust, die Küche aufzuräumen, und von Euch erwarte ich es auch nicht. Das schmutzige Geschirr bleibt liegen.« Eine erwartungsfreie Haltung verlangt danach, dass man sich in jeder Situation neu arrangiert – auch damit, dass die Paprika, die ich mir für mein Chili aufschneiden möchte, gerade in deinem Salat verschwindet. Eine erwartungsfreie Haltung erhöht ganz sicher den Gesprächsbedarf, aber sie perfektioniert auch die eigene Toleranz und eliminiert erfolgreich jeglichen Beziehungsstress.

Es fragt sich nur, wer das in dieser Konsequenz durchhält. Gerne erinnere ich mich an die Türme aus schimmeligem Geschirr in einer Wohngemeinschaft während des Studiums. Da kam eine gewisse erwartungslose Haltung aller Beteiligten zur Vollendung. Auch ich hegte keinerlei Erwartung, denn mein Geschirr hielt ich unter Verschluss und wusch es zur Not im Badezimmer ab, das ich erwartungsfrei regelmäßig sauber machte. Ich gebe zu, das waren nicht die schönsten Lebensumstände, und ich war froh, schließlich woanders unter anderen Bedingungen weiterleben zu können. Meine unterschwelligen Erwartungen hatte ich lange genug ignoriert.

Ich kenne niemanden, der nicht irgendwie Erwartungen an sein Gegenüber hegt. Die regional geltende Sitte, Erziehung, Erfahrung und nicht zuletzt Gewohnheit schaffen bewusste oder unbewusste Erwartungshaltungen. Vielleicht hegt man nicht die Erwartung, von einem Freund bei der Begrüßung umarmt zu werden. Vielleicht geht es sogar ohne ein Lächeln. Aber wenn noch nicht einmal ein »Hallo« kommt, steigt der Gesprächsbedarf dynamisch.

Und genau genommen ist die Annahme, dass das Gegenüber in einer konkreten Situation keine Erwartungen hegt, selbst eine Erwartung: »Ich erwarte, dass du nichts erwartest.« Verpackt ist diese Haltung gerne in Gedankenlosigkeit oder Ich-Bezogenheit, und ihr Lieblingssatz lautet: »Oh, ich bin davon ausgegangen, dass das für dich kein Problem ist.«

Spannend ist dann auch die Frage, wer sich selbst die Hoheit einräumt, die Kriterien für erlaubte und nicht erlaubte Erwartungen festzulegen. Relativ klar geordnet ist das im Arbeitsleben. Aber auch da ist es oft nur relativ klar. Im privaten Bereich haben wir es jedenfalls mit einer sehr viel diffuseren Lage zu tun.

Es wird wohl nicht anders gehen, als dass wir uns Erwartungshaltungen bewusst machen und dass wir miteinander aushandeln, was geht und was nicht geht. Erwartungen sind nichts Schlechtes, solange sie aus einem gemeinsamen Arrangement rühren. Dann werden sie zum gesunden Zeichen des gemeinsamen Rahmens. Und auch das eliminiert viel Stress in Beziehung, Freundschaft, Clique, WG, Familie, Verein und Beruf, überfordert die eigene Toleranz nicht und schafft stattdessen freie Kapazitäten für viel schönere Gesprächsthemen.

Donnerstag, 21. Mai 2020

Wie wichtig ist gesellschaftliche Akzeptanz? Wie wichtig ist es, ein Leben zu führen, das im privaten, sozialen, religiösen, politischen und beruflichen Umfeld nicht anstößt? Wie geht man damit um, wenn bestimmte Aspekte des eigenen Lebens von der Allgemeinheit nicht gutgeheißen werden?

Gesellschaftliche Akzeptanz ist überaus wichtig, weil sie einen in Frieden lässt. Wer auch nur in Teilen ein gesellschaftlich anstößiges Leben führt, muss damit rechnen, dass das eigene Dasein oder Sosein in Gesamtheit verurteilt wird. Wer anstößig lebt, darf felsenfest mit Anfeindungen, Spott, übler Nachrede, Unverständnis, Ausgrenzung und vielleicht auch beruflichen Konsequenzen rechnen. An diesem Punkt unterscheidet sich die sogenannte moderne, aufgeschlossene Allgemeinheit nicht von der Gesellschaft früherer Jahrzehnte und Jahrhunderte.

Wer sich also sehenden Auges in eine sozial inakzeptable Situation begibt, sollte sich zuvor vergewissern, ob es das wert ist, ob die eigene Psyche den unausweichlichen Shitstorm erträgt, ob die beruflich-wirtschaftliche Situation tragfähig bleiben wird und ob es Menschen gibt, auf deren Treue man zählen kann.

Freitag, 1. Mai 2020 

Kollektive Erfahrung

Deutschland trägt eine Maske. Die Corona-Pandemie wird zur ersten Kollektiverfahrung unserer Gesellschaft seit Jahrzehnten. 

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Vielleicht war es in den vergangenen Jahrzehnten tatsächlich so einfach. Wir hatten uns fest daran gewöhnt, dass Dinge zwar schiefgehen können, aber dass sie unsere heile Welt nie ernsthaft in Gefahr bringen würden. Im Grunde wussten wir ja, dass wir sicher sind. Stolpern, Fallen und Scheitern blieben allgegenwärtig, aber die Zerbrechlichkeit des Lebens war stets eine individuelle Erfahrung oder das Erlebnis einer mehr oder weniger scharf umrissenen Teilgesellschaft. Sicherheit war die kollektive Erfahrung der letzten Dekaden. 

 

Andere oder sogar gegenläufige Kollektiverfahrungen liegen für uns als Gemeinschaft der in Deutschland Lebenden weit zurück. 75 Jahre ist es her, dass ein heruntergekommenes Volk in einer Trümmerlandschaft kapitulierte. 30 Jahre ist es her, dass ein aufbegehrendes Volk der heruntergewirtschafteten Deutschen Demokratischen Republik das Ende bescherte. Vielleicht müssen wir die Ereignisse vom 11. September 2001 dazu zählen, als Terror sich selbst skalierte. Das waren tatsächlich die letzten Erfahrungen unserer Gesellschaft, von denen wir alle betroffen waren. Wir-sind-Papst, Sommermärchen und Finanzkrise kamen später und blieben doch eher partiell. 

 

Es stellt sich nun die Frage, was das »Wir« in diesen Zusammenhängen bedeutet. Im Jahr 1945 war ich noch nicht auf der Welt. Inwieweit das Dritte Reich und der Zweite Weltkrieg dennoch zum kollektiven Erbe in der Seele der heutigen Generationen zählen, wird von Tiefenpsychologen noch debattiert. An den 9. November 1989 kann ich mich hingegen sehr gut erinnern. Doch das kollektive Erlebnis eines tiefgreifenden Systemwechsels blieb den Bürgerinnen und Bürgern der DDR vorbehalten. Auch die Anschläge auf das World Trade Center wirken nach, aber eher als Schock denn als kollektive Terror-Erfahrung. Wir blieben vor dem Fernseher sitzen und griffen in die gemeinsame Chipstüte. 

 

Als Nation haben wir schon lange keine Erfahrung mehr geteilt, die nicht nur Individuum oder eine Teilgesellschaft einschneidend trifft, sondern alle. Die Corona-Krise ist die erste kollektive Erfahrung seit langem und für die meisten wahrscheinlich auch die erste überhaupt. Die ganze Nation steht still. Ein ganzes Land bleibt zu Hause und hält Abstand. Deutschland trägt eine Maske. Corona ist eine Macht, die uns alle zu Verhaltensänderungen zwingt. Der Gegner rüstet weder hinter dem Eisernen Vorhang auf noch wird er durch die Ummantelung einer Nuklearwaffe gebändigt. Der gemeinsame Feind kam gesellig zum Skifahren in der Business Class von Air China nach Europa. Und jetzt stehen wir alle auf seiner Piste und springen zur Seite. Mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit, die Klimawandel und AfD vor Neid erblassen lässt, hat Corona unsere Gesellschaft unterwandert und durchdrungen. Die von ihm ausgehende Gefahr lauert nicht länger irgendwo im Nebel der Abgase, die Gefahr ist mein Nächster, meine Partnerin, mein Kind, mein Kollege, das Wechselgeld beim Bäcker, die gemeinsame Chipstüte. 

 

Noch mag ich nicht daran glauben, dass die Corona-Krise uns alle und unsere geliebten Gewohnheiten dauerhaft verändert. Aber vielleicht wird uns fortan ein gewisses Misstrauen begleiten. Die Leute um mich herum in Konzert, Theater, Stadion, Kino und Restaurant konnten mir bislang gleichgültig sein. Vielleicht ist es mir in Zukunft lieber, wenn der Abstand zum Nächsten größer wird. 

 

Die kollektive Erfahrung der Corona-Krise hat unsere Erfahrung der kollektiven Sicherheit ins Wanken gebracht. Telefon, Messenger und Video-Call sind der neue Mindestabstand, die Digitalisierung unseres Lebens ist der Profiteur des Ganzen. Was bleiben wird, ist eine gewisse Entfremdung. Wir sind nicht absolut sicher. 

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Sonntag, 12. April 2020

Das Leid der Menschen in Syrien war unerträglich, und Aleppo war das Symbol eines Alptraums. Das Bedürfnis nach diesem Lied resultierte aus der Hilflosigkeit. 2016 geschrieben, entstand Anfang 2017 diese Aufnahme von »Land Of Darkness«. Es war das erste Mal, dass ich digital statt analog aufzeichnete und bearbeitete. Die Abmischung war allerdings viel zu zaghaft. Ohne weitere Spuren hinzuzufügen, fertigte ich jetzt diesen Re-Mix aus dem vorhandenen Material an. Nur die Gesangsspur kam neu hinzu. Ich wünsche den Menschen dort Frieden.
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Montag, 23. März 2020

Corona

Das Coronavirus ist gefährlich. Der Erreger hat sich zu einem gesellschaftlichen Phänomen ausgeweitet. Diesmal ist alles anders. 

Created with Sketch.

Gut drei Wochen lang koordinierte ich einen Krisenstab, der nur einem Ziel folgte: Haltet das Virus von dem Unternehmen fern, in dem mehr als eintausend Menschen arbeiten. Minimiert das Risiko, dass Kolleginnen und Kollegen, dass Kunden und Geschäftspartner an COVID-19 erkranken. Sorgt dafür, dass dieser komplexe Organismus aus Rohstoffgewinnung, Produktion, Logistik, Vertrieb und Kundenbetreuung weiter pulsiert.

 

Zuerst kamen die gängigen Maßnahmen: Sensibilisierung der Belegschaft. Mehr Hygiene. Keine grenzübergreifenden Dienstreisen. Veranstaltungen absagen. Weniger Meetings. Nur die notwendigsten Besuche. Lesen, lernen, umsetzen. E-Mails, Aushänge, Merkblätter. Dann die ersten Eskalationsstufen. Die Kollegen im Schichtbetrieb wurden physisch voneinander getrennt. Sollte eine der Schichten betroffen sein und in Quarantäne geschickt werden, könnten zumindest die anderen Schichten weiterarbeiten. Vorbereitungen auf das Home-Office. Testläufe. In der Kantine halbierten wir die Anzahl der Sitzplätze und wiesen der Belegschaft Zeitfenster zum Essen zu. Und dann: Schließung der Kantine. Aufteilung aller Teams. Im Wechsel ging die eine Hälfte ins Home-Office, während die andere im Büro arbeitete. Die Flure verwaisten. Wenn man jemandem begegnete: Distanz halten. Und immer wieder die Frage: Ist das angemessen, was wir tun? Veranlassen wir zu viel oder zu wenig? Sind wir zu früh oder zu spät?

 

Jeden Morgen als erstes die Anrufe von Kollegen, die krank geworden waren. Grippaler Infekt oder Corona? Zuhause bleiben oder zur Arbeit? Die Anrufe von Kollegen, in deren Umfeld es einen Verdachtsfall gab. Wir gingen gemeinsam die Kontaktketten durch. Bestand ein Risiko oder nicht? Es galt, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen für die Gesundheit von Kolleginnen und Kollegen. Und alles ging gut. Soweit wir es überblicken konnten, war weltweit keine Kollegin, kein Kollege, kein Kunde, kein Geschäftspartner betroffen.

 

Es wunderte mich, welche Dynamik eine Krise schafft, die noch gar nicht angekommen war und bei der zunächst auch nicht absehbar war, ob sie jemals kommen würde. Doch im Grunde war dies der Idealfall einer Krise, wenn man noch viele Möglichkeiten nutzen kann, um sie abzuwenden. Unser Krisenstab war ein Krisenpräventionsstab. Und das war ein Privileg.

 

Seit Freitag habe ich Urlaub, die Kollegen führen den Krisenstab weiter. Eigentlich war ich froh, dem Ganzen für eine Woche zu entkommen. Doch das Coronavirus lässt es nicht zu. Ich sitze zu Hause. Das Wetter ist herrlich, aber die Cafés bleiben geschlossen, die Einkaufstour durch die Geschäfte muss aufs Internet verlegt werden, Reisen und Besuche sind nicht erlaubt. Ich frage mich, ob unter diesen Umständen überhaupt Erholung möglich ist oder ob das Ganze eine Grenzerfahrung wird.

 

Diesmal ist alles anders und das irritiert mich. Im Laufe der Jahrzehnte sah ich so viele Krisen kommen und gehen, bei denen düstere Szenarien durch die Medien geisterten. Gepanschter Wein. BSE. Gammelfleisch. Vergiftete Eier. Verunreinigte Medikamente. Vogelgrippe. Schweinepest. SARS. Kalter Krieg, echter Krieg und Terror. All das kam nie bei mir an und bei den meisten anderen Menschen auch nicht. Das war ein Privileg, denn zu viele andere hatten das Glück nicht. Zu sagen, dass wir immer irgendwie glimpflich davon gekommen sind und dass uns auch Corona glimpflich davon kommen lässt, wäre zynisch. Menschen wurden krank, Menschen litten, Menschen starben. Und was die Corona-Pandemie betrifft, sind wir gerade erst mittendrin. Ausgang völlig offen. Für glimpflich ist es zu spät.

 

Das Coronavirus ist tatsächlich gefährlicher als andere Erreger. Wer bei einer Infektion nur leichte Symptome zeigt, hat Glück. Eine Freundin, die sich mit der Materie auskennt, skizzierte, was diesmal anders ist: Viel zu viele Menschen werden infiziert. Das Coronavirus überträgt sich schneller als andere Erreger. Es gibt keine Impfstoffe. Die Sterblichkeitsrate ist höher. Viele Menschen verrecken elendig an dieser fiesen Lungenkrankheit. Die Bilder aus den Kliniken in Italien sind entsetzlich. Was in China, Iran, Italien und anderen Regionen passiert, ist eine Tragödie. Das Robert-Koch-Institut verbreitet nüchterne und gleichwohl eindringliche Botschaften. Corona ist gefährlich. Und als wäre all das nicht schlimm genug, zitieren die Medien dennoch lieber die Johns-Hopkins-University, weil dort die Fallzahlen stets deutlich höher sind als beim RKI.

 

Im Augenblick lässt sich offenbar nichts daran ändern, dass wir diese Krise wortwörtlich aussitzen müssen. Es darf dabei nicht unterschätzt werden, dass hier ganze Gesellschaften in die Individual-Isolation verbannt werden. Ich hoffe, das geht gut. Mir macht es etwas aus, bestimmte Menschen bis auf Weiteres nicht sehen zu können, weil sie zu einer Risikogruppe zählen. Mir macht es etwas aus, auf unbestimmte Zeit in meiner Wohnung gefangen zu sein. Mir macht das Coronavirus bislang keine Angst. Ich zolle ihm Respekt und reagiere genervt. Ist das alles noch angemessen? Sollte sich aus der Pandemie nun auch eine Wirtschaftskrise entwickeln – und danach sieht es leider aus –, dann wird es früher oder später auf jeden Fall zum Diskurs darüber kommen, wie angemessen das alles war. Mir ist bewusst, dass es dieser Tage politisch nicht korrekt ist, kritische Fragen zu stellen. Aber was hier geschieht, ist derart massiv. Es nagt an der heilen Welt, die ich gewohnt bin. Auch das ist wieder das Privileg des Glücklichen, der noch nicht betroffen ist. Ich weiß das. Es fällt mir schwer, nicht zynisch zu werden und dem dusseligen Erreger keine lange Nase zu zeigen.

 

Diese Krise ist anders. Sie ist gefährlich. Sie macht krank, sie kostet Leben, sie beeinträchtigt die Wirtschaft, sie gefährdet Existenzgrundlagen, sie nimmt eine ganze Gesellschaft gefangen und treibt die Menschen in die Isolation. Corona ist physisch. Es lebt, hat drei Dimensionen, ein Gewicht, eine Vorliebe für bestimmte Wirte und liegt vielleicht schon auf meiner Türklinke. Corona ist inzwischen aber auch ein gesellschaftliches Phänomen. Das Virus hat sich in allen wesentlichen Dimensionen des Menschseins eingenistet. Wir alle sind seine Gefangenen. Corona ist ein Miststück.

 

Bleibt zu Hause, bleibt gesund, alles Gute.

Sonntag, 26. Januar 2020

Schreiben und Vorlesen wirken. Sie bewegen etwas, hinterlassen etwas bei Lesenden und Zuhörenden. Zumindest hin und wieder, zumindest in Einzelfällen. Es ist nicht oft der Fall, dass eine Rückmeldung kommt, aber dass sie tatsächlich manchmal kommt, erstaunt mich stets aufs Neue. Und womöglich bleibt auch bei dem einen oder der anderen etwas zurück, ohne dass ich es je erfahre.

Dass jemand sagt, er oder sie habe sich selbst in einer Geschichte wiedergefunden. Dass eine ganze Lesung lange nachhallt. Dass jemand einen wertvollen Gedanken mitnimmt. Einmal wurde mir gesagt, dass eine der Geschichten einen echten Impuls für einen Neuanfang im Leben gegeben habe. Dann fehlen mir die Worte …

Dahinter verbirgt sich auch eine Verantwortung, denn es ist nicht immer sicher, dass gelesene oder vorgelesene Worte auch das gewünschte Ziel erreichen. In einer Szene aus »Metathesis« sitzen sich Gut und Böse gegenüber und erörtern, was eben gut und vor allem böse am jeweils anderen ist. Ein Theologe sagte mir, dass der Diskurs hochspannend sei. Gut so. Die Redakteurin einer Zeitschrift aber legte mir dar, welche Schlüsse sie selbst aus jenem Kapitel gezogen habe, und da sträubten sich mir die Nackenhaare. Es war das Gegenteil meiner Absicht. Bis heute scheinen die – wenigen – Lesenden »Metathesis« insgesamt als religionskritischen Roman einzustufen.

Wahrscheinlich ist dieses Phänomen nicht zu bändigen. Schreiben und Vorlesen wirken. Aber wie sie wirken, bleibt den Lesenden und Zuhörenden überlassen. Ich kann Worte nur sorgsam abwägen.

Mittwoch, 1. Januar 2020

Euch und Ihnen allen

ein frohes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2020

mit vielen lebenswerten Augenblicken.

Vielleicht sehen wir uns hier wieder:

Donnerstag, 9. April 2020: Café Leutbecher, Oldenburg

Sonntag, 3. Mai 2020: Pro Vita, Vechta

Freitag, 12. Juni 2020: Sommerfest des Geest-Verlags, Vechta-Langförden

2. Jahreshälfte 2020: Buchhandlung Holzberg, Lingen

Sonntag, 20. Oktober 2019

Diese Bilder hängen jetzt im Schlafzimmer.

Seither weiß ich endlich, auf welche Seite ich gehöre,

und bekomme weniger Ärger.

Dirk Röse Frau
Dirk Röse Mann

Dienstag, 15. Oktober 2019

Der Rotary-Club aus Meppen hat mich zu einer Lesung eingeladen. Mir steht eine halbe Stunde zur Verfügung. Ich lese »Herbst« und »Hamster« in der Annahme, dass Geschäftsleute für kritische Töne empfänglich sind. Das anschließende Gespräch ist lebendig und herausfordernd. Wie düster darf man die Zukunft in Europa und der Welt sehen? Einen Konsens finden wir nicht, aber der Diskurs war wichtig.

Dirk Röse Wohnung

Sonntag, 7. Juli 2019

Eine Wohnung auf dem Land.

Samstag, 16. Februar 2019

Der Kulturkreis Wildeshausen veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Geest-Verlag eine Lesung zum Thema »Natur«. Verleger Alfred Büngen führt in den Abend ein und setzt sich mit der Problematik des Natur-Begriffs vor allem für die moderne Lyrik auseinander. Die preisgekrönte Lyrikerin Sigune Schnabel zeigt im Anschluss, wie es gehen kann. Maria Anna Stommel liest ihre Lyrik nicht nur, sondern begleitet sie zum Teil auch am Klavier. Zwischen den beiden versierten Damen fühle ich mich ein bisschen verloren. Zunächst gibt es den gesellschaftskritischen »Herbst«, der eher assoziativ mit der Natur verbunden ist. Die Herausforderung des Abends ist die Kurzgeschichte »Moor(l)eiche«, die einen längeren Dialog mehrerer Personen beinhaltet, die beim Vorlesen sauber abgegrenzt werden müssen. Hat geklappt.

Dirk Röse Maria Anna Stommel Wildeshausen
Dirk Röse Sigune Schnabel Wildeshausen
Dirk Röse Alfred Büngen Wildeshausen
Dirk Röse Lesung Wildeshausen

Sonntag, 20. Januar 2019

Lesung in der Seniorenresidenz Pro Vita in Vechta. Verleger Alfred Büngen, seine Lebensgefährtin Inge Witzlau und Autor Olaf Bröcker sind zu Gast. Vorgenommen habe ich mir, den Nachmittag mit nur einem einzigen Beitrag zu bestreiten. Es wird die Premiere von »Das Boot am Fluss« aus »frag·lich·t·e·mo·mente«, einer langen Abenteuergeschichte aus vergangenen Jahrhunderten. Die Wirkung ist überraschend. Die Erzählung trifft. Alfred Büngen erzählt später, dass die Besucher noch Monate später von dieser Lesung reden.

Dirk Röse Lesung ProVita
Dirk Röse Lesung ProVita
Dirk Röse Olaf Bröcker
Dirk Röse Alfred Büngen Inge Witzlau

Samstag, 13. Oktober 2018

Lesung im Emma-Café in Langen bei Darmstadt. Eingeladen hat die Autorin Sue Bechert, die hier immer wieder zu Gast ist. In ihren Geschichten beweist sie ein sehr feines Gespür für jene Augenblicke, in denen das Leben in Bewegung gerät. Ihre Lyrik hält sich nicht mit Wortakrobatik auf, sondern schafft unmittelbare Räume, in denen man sich selbst findet. Von mir gibt es die bewährten Einstiegsdrogen aus »frag·lich·t·e·mo·mente«. Die »Schwiegermutter« lässt grüßen.

Freitag, 24. August 2018

Der Geest-Verlag veranstaltet eine »Wohnzimmerlesung gegen Rechts« in Wildeshausen. Die Beiträge von Gastgeberin Maria Anna Stommel, Holger Evang-Lorenz, Gunnar Evang, Helga Bürster, Stefanie Dominguez und anderen sind erstaunlich unterschiedlich und verdeutlichen die Bandbreite der Problematik. Ich lese »Der Koran im Supermarkt«, eine Geschichte nach einer selbst erlebten Begebenheit.

Dirk Röse Lesung gegen Rechts
Dirk Röse Lesung gegen Rechts
Dirk Röse Lesung gegen Rechts
Dirk Röse Lesung gegen Rechts
Dirk Röse Lesung gegen Rechts

Freitag, 1. Juni 2018

Alfred Büngen und Inge Witzlau veranstalten - allen Unkenrufen zum Trotz - ein weiteres Sommerfest des Geest-Verlags. Stimmung und Wetter sind gigantisch. Der Supersommer 2018 nimmt Anlauf. Diesmal ist es der »Hamster«, der trotz der fortgeschrittenen Stunde offenbar ankommt.

Sonntag, 25. Februar 2018

Manchmal bin ich hartnäckig. Nach zwei eher unglücklichen Versuchen, Lesung und Musik miteinander zu vereinen, wage ich den Schritt auf die Bühne des »Classic Car & Café Aschendorf«. Es ist eine Open-Mike-Veranstaltung und niemand bewahrt mich davor, vier Titel vorzutragen. »Land Of Darkness«, »Who's That Man«, »For A Dying Friend« und »America First« gelingen fehlerfrei und sogar mit einer gewissen Energie. Der Applaus ist freundlich. Niemand wirft Unterwäsche auf die Bühne. Niemand schmeißt den leckeren Kuchen des Cafés nach mir. Der Papenburger Fotograf Rolf Hermann hält einen zwiespältigen Auftritt im Bild fest.

Dirk Röse Classic Car Cafe Aschendorf
Dirk Röse Classic Car Cafe Aschendorf
Dirk Röse Classic Car Cafe Aschendorf
Dirk Röse Classic Car Cafe Aschendorf

Donnerstag, 14. September 2017

Die zweite Lesung im Café Leutbecher in Oldenburg. Geladen haben Edgar Kabbe als Organisator und seine Frau Christine Metzen-Kabbe als Autorin. Auf dem Programm stehen Geschichten aus der Anthologie »Moorgezeiten« und es wird eine recht sympathische Veranstaltung. Als Dankeschön gibt es den »Oldenburger Torfsoden«, einer ausgezeichneten Kuchenspezialität des Cafés.

Dirk Röse Lesung Tanja Brink Luther-Jahr

Montag, 11. September 2017

Im Rahmen des »Luther-Jahres« lädt die Gemeinde Spelle zu einer Ausstellung mit historischen Bibelausgaben und Bibeln, die für ihre Besitzer aus der Region eine besondere persönliche Bedeutung haben. Die Ausstellung beginnt mit einer Feierstunde, für die Autorin Tanja Brink eigens eine Geschichte geschrieben hat. Darin ficht Martin Luther seinen legendären Kampf gegen die Anfechtungen des Teufels aus und lässt sich von der Übersetzung der Bibel ins Deutsche nicht abbringen. Mein Beitrag sind einige doppeldeutige Bibelstellen, wie die vom Zöllner Zachäus in Lukas 19, die den Schluss zulässt, dass Jesus ein kleiner Mann war. Im Dialog tragen wir die Geschichte vor, auch eine neue, gute Erfahrung.

Mittwoch, 16. August 2017

Edgar Kabbe veranstaltet den »Lesereigen« in der Wassermühle auf dem Klostergelände in Hude. Insgesamt sechs Autorinnen und Autoren tragen ihre Werke vor, unter ihnen Christine Metzen-Kabbe. Auf meiner Tagesordnung steht »Z.Z. Voss«, eine relativ lange Geschichte, in der die Sage von »Sisyphos« unter Aspekten des christlichen Glaubens interpretiert und in eine Parodie mit etlichen Slapstick-Momenten überführt wird. Zum Vorlesen ist sie eine Steilvorlage und ich fühle mich wirklich wohl mit dem Beitrag. Mich erstaunt, dass im Anschluss eine längere Diskussion über Glaubensfragen entsteht.

Donnerstag, 8. Juni 2017

Anlässlich des »Luther-Jahres« lädt die ev.-luth. Markuskirchengemeinde in Sögel zu einer Lesung ein, bei der die Autorin Tanja Brink und ich uns dem Thema von einer ganz anderen Seite nähern. Wir tragen Geschichten vor, in denen Martin Luther selbst vorkommt, die aber einen hohen fiktiven Anteil haben. Es ist das erste Mal, dass ein Auszug aus »Der Jeschua-Schrein« gelesen wird. Herzlicher Dank gilt wie immer Pastor Matthias Voss, der solchen Experimenten Raum gibt, und den Gästen aus der Gemeinde, die sich jedes Mal neu darauf einlassen.

Freitag, 26. Mai 2017

Wieder lockt das Sommerfest des Geest-Verlags zahlreiche Autorinnen und Autoren nach Vechta Langförden. Bislang war die Veranstaltung in jedem Jahr durch gutes bis sehr gutes Wetter geprägt, so dass wir immer wieder draußen in der Sonne sitzen konnten. Diesmal ist es nicht anders, doch heute Abend gibt es auch einen wolkenbruchartigen Platzregen, der das Wasser bis in die Halle des »Spiekers« treibt. Dort gibt es diesmal den »Wuchtbrummi«. Alle wissen, welch ein Marathon dieses Event für die Veranstalter Alfred Büngen und Inge Witzlau ist. Deshalb ist das Verständnis groß, dass es immer stärkere Anzeichen dafür gibt, schon bald einen Schlussstrich zu ziehen. War dies das letzte Sommerfest?

Samstag, 6. Mai 2017

Ein Jahr nach Veröffentlichung der Anthologie »Moorgezeiten« lädt die Autorin Geli Grimm zu einer Lesung in die Stadtbibliothek von Holzwickede. Neben ihr und mir sind Ulrike Stache und Tim Pollok mit von der Partie. Es ist eine abwechslungsreiche Veranstaltung vor einem überraschend großen Publikum. Und wieder kommt die »Schwiegermutter« vorbei ...

Donnerstag, 8. September 2016

Das erste Gastspiel im Café Leutbecher in Oldenburg, organisiert von Edgar Kabbe. Draußen brütende Hitze und ein Sommerfest in der Fußgängerzone.

Sind die Gäste bestochen, die trotzdem kommen? Mein Ehrgeiz - eine Veranstaltung mit Texten und Musik. Wird nix. Zum Glück können wir nach einer Stunde abbrechen, als es draußen zu laut wird.

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Freitag, 27. Mai 2016

Schon mal richtig was gewagt und dann verloren? Beim Sommerfest des Geest-Verlags rücke ich mit Gitarre an, möchte eine Geschichte singen. »Der glimmende Docht« erzählt von dem Matrosen Jan, der im Sturm über Bord gespült wird. Im Angesicht schrecklicher Qualen bittet er Gott, ihm das Ertrinken zu ersparen und die Gnade des plötzlichen Todes zu gewähren. Sein Argument: »Es merkt ja keiner, wenn du hier ein bisschen eingreifst.« Doch bleibt es dabei: »Den glimmenden Docht löscht er nicht aus ...« Und dann will die Stimme nicht und inmitten des Liedes reißt auch noch der Textfaden. Da half im Anschluss nur ein zusätzliches Glas Rotwein und der zügige Abflug ins Bett.
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Donnerstag, 19. Mai 2016

Die erste von zwei Lesungen im Restaurant »De MalleJan« im Tierpark Nordhorn. Unter den Gästen die Fotografin Britta Heine, Arbeitskollegen und meine Eltern. Die Fotos macht Uwe Westdörp. Inhaltliche Klammer ist die Anthologie »Moorgezeiten«. Neben Lyrik stehen u. a. Andreas Krohbergers »Adam und Aenna« sowie

Ruben Brüstles »Adwins Trick« auf dem Programm. Die Lesungen im Zoo sind große Klasse. Ich denke gerne an sie zurück.

Dirk Röse Lesung De MalleJan
Dirk Röse Lesung De MalleJan
Dirk Röse Lesung De MalleJan

Sonntag, 8. Mai 2016

In Zusammenarbeit mit dem Emsland Moormuseum und dem Geest-Verlag erscheint die Anthologie »Moorgezeiten«. Ein tolles Buch. Lyrisch. Naturverbunden. Spannend. Schaurig. Leider ist es schon vergriffen. Zur Buchpremiere im Emsland Moormuseum sind Gäste von weit her angereist. Unter ihnen ist auch die Malerin Agnes Falkenstein aus Meppen, deren Bilder ich schätze. Der legendäre Ottomeyer-Pflug bildet an diesem Vormittag die eindrucksvolle Kulisse. Als Herausgeber darf ich ein paar Worte über die Entstehung des Buches und die hohe Qualität der Beiträge sagen. Der erste Kreisrat Martin Gerenkamp nimmt an der Buchpremiere teil. Ansgar Becker hat seitens des Emsland Moormuseums das Buchprojekt betreut und war Teil der Jury. Beide bekommen ein Exemplar der »Moorgezeiten« überreicht.

Dirk Röse Lesung Moormuseum
Dirk Röse Lesung Moormuseum
Dirk Röse Lesung Moormuseum

Freitag, 2. Oktober 2015

Unter dem Titel »Untertan« ruft Reinhard Rakow zum fünften Mal die Berner Bücherwochen aus. Der Wochenendverkehr hält mich auf und viel zu spät komme ich zur Buchpremiere. Trotzdem kann der »Hamster« noch gelesen werden. Im Anschluss raunt Verleger Alfred Büngen mir zu, dass sämtliche Würdenträger wie gelähmt dagesessen hätten.

Dirk Röse Lesung Nicoleta Craita Ten'o

Freitag, 12. Juni 2015

Die aus Rumänien stammende Autorin Nicoleta Craita Ten'o ist zu Gast in der ev.-luth. Markuskirchengemeinde in Sögel. Da sie aufgrund traumatischer Erlebnisse nicht selbst lesen kann, tragen Verleger Alfred Büngen, Pastor Matthias Voss und ich Passagen aus ihrem Roman »Man bezahlte den Kuckuckseiern den Rückflug« vor. Die zahlreichen Gäste sind betroffen. Im anschließenden Dialog beantwortet die Autorin Fragen schriftlich.

Donnerstag, 4. Juni 2015

Das Sommerfest des Geest-Verlags beginnt für mich mit einem Beitrag über Flüchtlinge, die in völlig unzureichenden Booten über das Mittelmeer nach Italien übersetzen wollen. »Wellenschlag« versucht noch vor dem Beginn der sogenannten »Flüchtlingskrise« im Herbst 2015 eine Auseinandersetzung mit der Abschottung Europas.

Samstag, 30. Mai 2015

Jana Hoffhenkes Burgenweltverlag koppelt »Der Jeschua-Schrein« aus der Anthologie »Burgenbrand« als eigenständige Novelle aus. Die Alternate History hinter dem Plot ist schräg und die Handlung ist zum Teil überaus brutal. Aber ich mag die Geschichte, weil die Charaktere recht scharf gezeichnet sind und selbst die Dialoge unmittelbar zur Profilierung beitragen.

Der Klappentext des Buches spricht von einer »faszinierenden alternativen Realität voller Spannung und Dramatik. Sie erzählt von einer Welt, in der Jesus von Nazareth niemals gekreuzigt wurde und deren Entwicklung über 1.500 Jahre einen grundlegend anderen Verlauf nahm. Im Jahr 1518 strandet Cassius, ein römischer Centurio, mit seinen Soldaten im alten Friesland. Sein Auftrag: den Jeschua-Schrein zum Kaiser nach Rom zu bringen und dafür zu sorgen, dass das Heiligtum nicht in die falschen Hände gelangt. Auf dem gefährlichen Weg durch Germanien gerät Cassius nicht nur an seine körperlichen Grenzen. Zunehmende Zweifel am Sinn seiner Mission stellen all seine Überzeugungen auf den Kopf. Doch auch die Sekte der Jeschuaiten erhebt Anspruch auf das begehrte Relikt und will es den Händen der Römer entreißen – sogar um den Preis des eigenen Lebens. Wer wird aus dem gnadenlosen Wettlauf um den Jeschua-Schrein als Sieger hervorgehen?«

Montag, 15. Dezember 2014

Verleger Alfred Büngen wird 60. Seine Lebenspartnerin Inge Witzlau und der Autor Olaf Bröcker organisieren insgeheim eine Anthologie zu seinen Ehren. Von mir kommen das Titelfoto und die Geschichte »Z.Z. Voss«. Das Cover gestaltet Ansgar Eilting von der Rheiner Agentur Expect More. Eine sehr gelungene Überraschung, eine sehr angemessene Ehrung. Alfred, herzlichen Dank für alles!

Dirk Röse Lesung Bracht

Freitag, 14. November 2014

Der Brüggener Literaturherbst wird mit einer Lesung in dem kleinen Örtchen Bracht fortgesetzt. Zum ersten Mal lese ich eine fremde Geschichte. Nicoleta Craita Ten'os »Einladung ohne Gewähr« macht richtig Spaß - auch wenn das Thema ernst bleibt. Alte Bekanntschaften werden aufgefrischt und Pläne für eine Lesung mit Autorinnen und Autoren aus Witten/Ruhr in Witten/Ruhr geschmiedet. Neue Bekanntschaften werden geknüpft und Email-Adressen ausgetauscht.

Donnerstag, 10. Juli 2014

Warum läuft das Meer nicht über?

Und dann ist da noch die Anthologie der »Kinder aus dem Brigachtal«. Sie beschreiben darin ihr Leben und ihre Gedanken. Einige erwachsene Autoren aber beantworten Fragen der Kinder unter dem Stichwort »Der Baum und der Junge«. Was für ein Spaß, Antworten auf die Fragen zu geben, warum das Meer nicht überläuft und warum man nachts schläft statt tagsüber. Auch ich bin jetzt schlauer.

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Wieso läuft das Meer nicht über?

 

»Wieso läuft eigentlich das Meer nicht über?«, fragte der Junge.

»Oh, manchmal läuft es ja über«, antwortete der große Baum, »und dann wird es ziemlich schlimm.«

»Aber nur selten«, betonte der Junge.

»Das stimmt zum Glück«, sagte der Baum. »Und das liegt daran, dass das Meer Angst vor dem Mond hat.«

»Was?«, fragte der Junge ungläubig.

»Na ja ... Jedes Mal, wenn der Mond nicht am Himmel steht, schleicht sich das Meer an und steigt immer höher«, erklärte der Baum. »Doch zum Glück erscheint der Mond immer rechtzeitig und das Meer verkriecht sich wieder tief im Ozean.«

»Flut und Ebbe.« Der Junge winkte lässig ab. »Weiß ich doch.«

»Außerdem hat die Natur ganz viel Meer eingefroren, damit es nicht überläuft.« Der Baum zwinkerte dem Jungen zu.

»Was?« Der Junge machte große Augen.

»Am Südpol und Nordpol ist das Meer zu Eis gefroren. Deshalb müssen die Menschen auch aufpassen, dass es auf der Erde nicht zu warm wird.«

»Ach so ...«, meinte der Junge. »Klar doch. Aber ich dachte, das Meer läuft nicht über, weil es faul ist.«

»Was?«, fragte nun der Baum überrascht.

»Hast du jemals gesehen, dass das Meer auf Berge steigt?«

»Nein«, sagte der Baum.

»Das Meer wandert auch nicht gerne«, erklärte der Junge.

»Aha?«, fragte der Baum.

»Deshalb kommt es nie tief ins Land hinein.«

»Aha!«

»Tja, und das Meer hat auch überall seine Spione und muss nicht selber neugierig durchs Land ziehen.«

»Tatsächlich?«, der Baum zog seine Stirn in nachdenkliche Falten.

»Die Seen, Bäche und Flüsse!«, sagte der Junge.

»Du hast völlig recht«, lobte der Baum.

Die beiden sahen sich verschwörerisch an und lachten lauthals los.

Sonntag, 15. Juni 2014

Die erste offizielle Lesung aus »frag·lich·t·e·mo·mente«. Eingeladen hat die Pater-Titus-Stiftung in Vechta. Zu Gast ist auch der Autor Olaf Bröcker, der das Nachwort zur Anthologie verfasst hat und es heute Nachmittag vorträgt. Ich muss leider im Sitzen lesen und beginne herumzuhampeln. Schnell kristallisiert sich heraus, dass eine Veranstaltung mit dem Thriller »Licht« beginnen und mit der Humoreske »Schwiegermutter« enden sollte. Dazwischen ist Platz für viel Spontaneität. Aber war es schlau, das Buch »frag·lich·t·e·mo·mente« zu nennen? Wie findet man solch einen Titel bei Google?

Dirk Röse Hund Neela

Samstag, 14. Juni 2014

Schon als Kind wollte ich einen Hund haben. Doch erst im Frühjahr 2014 kommt die kleine Neela aus dem Tierheim und ein Traum erfüllt sich.

Dirk Röse fraglichtemomente

Freitag, 30. Mai 2014

Mit dem Erzählband »frag·lich·t·e·mo·mente« erscheint das für mich vielleicht wichtigste Buch. Es bietet Stoff für zahlreiche Lesungen mit sehr unterschiedlichen inhaltlichen Ausprägungen - und ist hoffentlich auch für die Leserinnen und Lesern ebenso bereichernd wie abwechslungsreich. Die Rückmeldungen sind sehr erfreulich.

Die Buchpremiere hat Verleger Alfred Büngen auf das Sommerfest des Geest-Verlags gelegt. Gelesen wird »Sociogram Networking«, das sich mit den Fallstricken der digitalen Vernetzung befasst. Alfred Büngen lobt das »hohe Niveau« der Geschichten. Ich danke ihm und seiner Partnerin Inge Witzlau dafür, dass sie dieses Buch ermöglicht haben.

Dienstag, 20. Mai 2014

Die Charts auf amazon.de werden zur täglichen Lektüre. Die mittelalterliche Kriminalerzählung »Chrodigildis« klettert an diesem Tag auf einen Viertausender-Rang. Zwischenzeitig erreicht sie sogar einen Platz unter den Zweitausendern. Das Buch dürfte hinsichtlich der Verkaufszahlen mein Bestseller sein, nicht zuletzt aufgrund der Verfügbarkeit als eBook - ein Format, das gerade im Aufwind ist.

Montag, 19. Mai 2014

Im Café »Stilbruch« findet eine Lesung mit Publikationen aus dem Textlustverlag statt. Ich trage eine Passage aus der »Mondpräsidentin« vor. Die erste Hälfte der Geschichte hat aber zum Vorlesen und Zuhören zu wenig Action - und für einen Auszug aus der zweiten Hälfte müsste man zu viel vorweg erklären. Mit dieser Veranstaltung bleibe ich ein wenig unglücklich.

Donnerstag, 13. Februar 2014

Im November 2013 erscheint im Burgenweltverlag die Anthologie »Richter der Nacht« mit einigen sehr gelungenen Kriminalerzählungen, die im Mittelalter spielen. Herausgegeben wird der Band von Verlegerin Jana Hoffhenke, Autorin Juliane Stadler und mir.

Die offizielle Buchpremiere findet erst im Februar 2014 statt - dafür aber in einer adäquaten Umgebung. Im Zeughaus von Vechta kommen an diesem Abend zahlreiche Gäste zusammen. Olaf Bröcker, den ich auch aus dem Umfeld des Geest-Verlags gut kenne und schätze, Verlegerin Jana Hoffhenke und ich tragen Ausschnitte aus verschiedenen Geschichten des Bandes vor. Es ist das erste Mal, dass auch aus »Chrodigildis« gelesen wird.

Freitag, 10. Oktober 2013

Reinhard Rakows 4. Berner Bücherwochen beginnen mit der Buchpremiere der Anthologie »Trotz Alledem«. Verleger Alfred Büngen muss viele gute Worte eingelegt haben, dass der Beitrag »Raubritter« darin erscheinen und ich ihn beim ersten Abend lesen darf. Politisch ziemlich unkorrekt beschreibt er das bescheidene Glück des familiären Alltags. Im Anschluss höre ich aus dem Publikum die Meinung: »Spießig«. Richtig. Aber warum auch nicht? Partnerschaft und Familie bilden nach wie vor eine übliche und bewährte Daseinsweise, mit der sich die Fragmentierung des Lebens oftmals lange verhindern lässt.

Dirk Röse Chrodigildis

Freitag, 6. September 2013

Im Sommer 2013 bringen Jana Hoffhenke, Verlegerin des Bremer Burgenweltverlags, die Autorin Juliane Stadler und ich die gemeinsame Anthologie »Richter der Nacht« auf den Weg. Inhalt sind mittelalterliche Kriminalgeschichten. Mein eigener Beitrag ist zu lang geraten und wird als eigenständige Novelle veröffentlicht.

»Chrodigildis« spielt im 8. Jahrhundert und ist im historischen Haren/Ems angesiedelt. Die Marketing-Idee geht davon aus, dass zahlreiche Harener das Buch kaufen, weil es in ihrer Heimat spielt, und dass sich unter den zehntausenden Gästen im Freizeitpark »Schloß Dankern« auch eine hohe Anzahl von Abnehmern findet. Aber Pustekuchen. Haren wehrt sich durch unterlassene Hilfeleistung.

Montag, 5. August 2013

Meine Großmutter Klara Faust wird 101 Jahre alt. Ich habe sie lange nicht gesehen und den Besuch bei ihr immer wieder hinausgezögert, weil ich weiß, was danach geschehen wird. Noch im August stirbt sie. Aber wir wollten uns zuvor noch verabschieden.

Montag, 1. April 2013

Die Jubiläumsanthologie »Neue Geschichten für die Brüder Grimm« der Stadt Kassel erscheint. Der Beitrag »Des Grafen Tochter und die Schwalbe« ist bislang die einzige Geschichte, bei der ich Co-Autor bin. Tatsächlich stammt der vollständige Entwurf von Anna Janas, Weggefährtin aus dem Buchprojekt »Hinterland«. Mir bleibt die Bearbeitung und gemeinsam stellen wir die Geschichte fertig.

Sonntag, 25. November 2012

Noch druckfrisch halte ich die erste eigene Novelle in den Händen. »Mondpräsidentin« ist eine behutsame Science-Fiction-Geschichte, in der Wirtschaft, Politik und eine komplizierte Liebesbeziehung wesentliche Rollen spielen. Das Konzept des Textlustverlags ist gut und bietet Lesevergnügen für einen Abend oder eine ausgedehnte Teezeit. Leider müssen die Aktivitäten schon bald aus finanziellen Gründen eingestellt werden.

Ich beuge mich den Vorgaben und die ursprünglich angedachte »Long Black Space Limousine« weicht einem deutschen Titel. Die Rückmeldungen auf die Geschichte sind positiv und die einhellige Meinung lautet, dass eine Ausweitung zum Roman Pflicht ist. Geehrt wird das Buch mit einer Nominierung zum Kurd-Laßwitz-Preis.

Im Klappentext heißt es: »Sie brachte den Sex auf den Mond - so beschreibt Carl Leibnitz in seiner Rede die Präsidentin Isi Damm. Aber lässt sich eine Frau wie sie wirklich auf diese Aussage reduzieren? Sicher, die Männer lieben und verehren Isi, doch für den Erhalt der Unabhängigkeit des jungen Mondstaates geht sie einen riskanten Weg. Nicht nur sie selbst, sondern auch der wichtigste Mann an ihrer Seite, könnte daran zerbrechen.«

Freitag, 26. Oktober 2012

Brüggener Literaturherbst ... Ellen Roemer gibt die Anthologie »Der Lärm verstummt, bis Stille in dir ist« heraus. Der Beitrag »Heute, morgen, für immer« schaut einem Pärchen über die Schulter, das eine entscheidende Phase seiner Beziehung erlebt. Sie wird ihr Leben lang gehandicapt bleiben und will wissen, welche Perspektiven es nun noch gibt. Er will sie seiner Liebe vergewissern und bekräftigt, dass es immer einen Grund geben wird, das Heute, das Morgen und das Immer zu mögen. Die Geschichte folgt einem Konzept des sowjetischen Pädagogen Anton Semenovic Makarenko, der zu Recht annahm, dass unser Dasein immer eine Perspektive braucht - und dass schlussendlich die langfristigen Perspektiven am tragfähigsten sein können.

Dirk Röse Metathesis

Dienstag, 7. Februar 2012

Fünf Jahre liegen zwischen der ersten Idee und der Veröffentlichung des Romans »Metathesis«. Die erste Fassung hat gut 300 Skriptseiten, die völlig überarbeitete Version weit über 400 Seiten, gedruckt sind es mehr als 500. Für das erste Buch nicht schlecht. Die Autorin Karla Schmidt begleitet die Kapitelplanung, die Lektorin Dorothea Kenneweg begutachtet die zweite Fassung, die Stewardess Nicola Renkel mahnt eine vollständige Überarbeitung der Flugzeugszene an, der Wissenschaftler Gerald Schmilewski berät zu Klimaschutzfragen im Zusammenhang mit Mooren, die Filmemacherin Ulrike Zechendorf gibt Details zur Kameratechnik, der Verleger Christoph Bizer-Neff wagt die Publikation, die Düsseldorfer Agentur prahl_recke erstellt das Cover. Auf dem Weg dahin immer wieder Absagen verschiedener Verlage. Ein Anfänger? Ein religiös geprägter Thriller? Zu riskant.

Pastor Matthias Voss stellt mir von Zeit zu Zeit einen Raum zur Verfügung, um in Ruhe schreiben zu können. Die Buchpremiere in der ev.-luth. Markuskirchengemeinde in Sögel zu veranstalten, ist eine gute Idee. Das Publikum ist aufgeschlossen und interessiert. Es gibt einen Dialog. Es ist ein wirklich gelungener Abend. Ungewohnt ist es, Bücher zu signieren. Was schreibt man da? Inzwischen ist diese Frage geklärt.

Sogar die Presse berichtet. Die Journalistin hält fest, dass »Metathesis« als Trilogie angelegt ist. Wie die Geschichte weitergeht und endet, steht tatsächlich fest. Doch leider wird sie nie geschrieben. Es mangelt an Zeit für solch ein gewaltiges Werk. Lediglich die Kurzgeschichte »Purgatorium« wird noch veröffentlicht, die einen Ausschnitt aus Band 3 abdeckt.

Freitag, 14. Oktober 2011

Reinhard Rakow publiziert anlässlich der »3. Berner Bücherwochen« im Geest-Verlag die Anthologie »Winterreise«. Darin aufgenommen: »Im Schatten«. Die Geschichte trifft offenbar einen Nerv bei betagteren Zuhörerinnen und Zuhörern. Die erste Nachkriegsgeneration findet sich wieder. Es ist eigentümlich, denn die Geschichte resultiert aus der Begegnung mit einer jungen Frau.

Bei der Buchpremiere ist Johanna Wanka, die niedersächsische Ministerin für Bildung und Kultur, zu Gast. Mich plagt an diesem Abend furchtbares Lampenfieber. Ich setze mich ganz an den Rand und bin froh, dass die meiste Zeit nur die weißen Haare zu sehen sind. Doch auch dieses Mal kein Ausfall - auch wenn es schwer fällt.

Samstag, 4. Juni 2011

Zum ersten Mal bin ich Gast beim Sommerfest des Geest-Verlags in Vechta-Langförden. Ohne zu wissen, was für ein literarisches Umfeld sich dort versammelt, lese ich den Kurzkrimi »Licht«. Weder politisch noch kritisch, weder nachdenklich noch lyrisch, genau genommen ein völliger Fehlgriff. Doch nach dem letzten Satz geht ein entsetztes Stöhnen durch das Publikum. Die Geschichte ist angekommen. Verleger Alfred Büngen nennt mich im Anschluss einen »Meister seines Fachs«. Offenbar speichert er mich nun als Krimi-Autor ab. Damit werde ich hier aber nichts.

Das Sommerfest gehört seither zu den festen Terminen in meinem Kalender. Zwar gibt es auch echte Zuhörer als Gast, doch im Großen und Ganzen sind hier die Autoren des Verlags unter sich. Und das ist große Klasse.

Samstag, 20. November 2010

Die zweite Lesung führt mich nach Brüggen. Es ist wunderschön dort. Tagsüber ein Workshop. Am Abend eine öffentliche Veranstaltung. Ellen Roemer veranstaltet den »«3. Brüggener Literaturherbst«, sie gibt in diesem Jahr die Anthologie »So ein Mensch« heraus. Ich lerne den Verleger Alfred Büngen kennen, der den Geest-Verlag leitet. Eine wegweisende Begegnung. Beim Autoren-Workshop gewinnt die Geschichte »Im Schatten« nachmittags den 2. Platz. Am Abend gibt es zusätzlich den Anthologie-Beitrag »Der Prophet«. Zwei junge Frauen fragen mich nach der Veranstaltung, wer mit dem Propheten gemeint sei. Als ich David Bowie nenne, sind sie irritiert. Im Anschluss an die Lesung gibt es lobende Worte vom Verleger. Jetzt bin ich irritiert. Könnte es tatsächlich sein, dass sich hier etwas Schönes entwickelt?

Dirk Röse Lesung Brüggen Ellen Roemer Alfred Büngen
Dirk Röse Lesung Brüggen
Dirk Röse Lesung Brüggen
Dirk Röse Lesung Brüggen

Samstag, 9. Oktober 2010

Meine erste Lesung. Auf der BuCon in Frankfurt Dreieich. Es ist die Buchpremiere der Anthologie »Hinterland«. Verleger Ernst Wurdack lobt das Buch. 20 phatastische Geschichten, inspiriert durch David Bowie. War jemals jemand so nervös wie ich? Stundenlang durch die Halle schleichen, bis es kein Zurück mehr gibt. Mit auf der Bühne: Armin Rößler als Moderator sowie Barbara Streun und Bibo Loebnau als Mitautorinnen. Mein Beitrag: »Purgatorium«. Komplex, träge, schräg, schwer zu verstehen und nicht zu Ende gedacht. Irgendwie klappt aber alles. Schweißnasses T-Shirt, Kaffee auf dem Pullover. Ein Achtungserfolg.

Das Buch ist leider schon lange vergriffen. Wer das Glück hat, ein Exemplar zu ergattern, lese Pepe Metropolis' »Hinterland« und Karla Schmidts »Erlösungsdeadline«. Und nehme zur Kenntnis, dass mein Name bei Dietmar Dath steht.

Der Berliner Autorin Karla Schmidt bin ich auf immer dankbar dafür, dass sie mich in dieses Projekt eingebunden hat. Das ist der Türöffner. Und ich lerne so viel von ihr.