Dirk Röse Sonne

Lesungen. Gedanken. Ereignisse. Begegnungen.

Bücher. Lieder. Bilder. Menschen.

Die Website als Möglichkeit zur Teilgabe. Das Tagebuch als Angebot zur Teilhabe. Ein Monolog, kein Dialog. Hybris eines Kreativen.

Dirk Röse Pfaffenstein

Dienstag, 14. Juli 2020

Urlaub. 
Es geht bergauf.

Montag, 6. Juli 2020

Der eine oder andere Mitmensch kommt nicht gut damit zurecht, wenn man Erwartungen an ihn richtet. Sie werden als Einengung empfunden und üben Druck aus. Da ist etwas Wahres dran. Eine Erwartungshaltung schränkt das Gegenüber auf eine bestimmte Handlungs-, Denk- oder Gefühlsoption ein.

Solange das Gegenüber freiwillig dieser Option entspricht bzw. entsprechen möchte, ist das kein Problem. Dann sind Erwartung und Erfüllung deckungsgleich.

Schwierig kann es werden, wenn das Gegenüber lieber einer anderen Option folgen würde oder sich alle denkbaren Optionen offenhalten möchte. Dann kann es sein, dass Erwartung und Erfüllung am Ende auseinanderklaffen. Ob das zum Problem wird, hängt zum einen davon ab, wie massiv die eigene Erwartungshaltung ist und wie stark die Enttäuschung empfunden wird. Zum anderen hängt es davon ab, wie massiv das Gegenüber die Einengung durch die Erwartung empfindet und wie stark der gefühlte Druck ist.

Die saubere Lösung bestünde darin, jegliche Erwartung an andere Menschen aufzugeben. Das hieße dann beispielsweise: »Ich möchte heute etwas kochen, das wir zusammen essen können. Gestern haben wir gemeinsam gekocht. Heute erwarte ich das nicht von dir. Es kann sein, dass ich es allein mache, und es ist in Ordnung. Hauptsache, es schmeckt uns.« Oder: »Gestern haben wir gemeinsam gekocht. Heute ist es in Ordnung, dass du nur für dich allein kochst. Es ist genug Platz in der Küche und ich mache mir selbst etwas zu essen.« Oder: »Ich habe keine Lust, die Küche aufzuräumen, und von Euch erwarte ich es auch nicht. Das schmutzige Geschirr bleibt liegen.« Eine erwartungsfreie Haltung verlangt danach, dass man sich in jeder Situation neu arrangiert – auch damit, dass die Paprika, die ich mir für mein Chili aufschneiden möchte, gerade in deinem Salat verschwindet. Eine erwartungsfreie Haltung erhöht ganz sicher den Gesprächsbedarf, aber sie perfektioniert auch die eigene Toleranz und eliminiert erfolgreich jeglichen Beziehungsstress.

Es fragt sich nur, wer das in dieser Konsequenz durchhält. Gerne erinnere ich mich an die Türme aus schimmeligem Geschirr in einer Wohngemeinschaft während des Studiums. Da kam eine gewisse erwartungslose Haltung aller Beteiligten zur Vollendung. Auch ich hegte keinerlei Erwartung, denn mein Geschirr hielt ich unter Verschluss und wusch es zur Not im Badezimmer ab, das ich erwartungsfrei regelmäßig sauber machte. Ich gebe zu, das waren nicht die schönsten Lebensumstände, und ich war froh, schließlich woanders unter anderen Bedingungen weiterleben zu können. Meine unterschwelligen Erwartungen hatte ich lange genug ignoriert.

Ich kenne niemanden, der nicht irgendwie Erwartungen an sein Gegenüber hegt. Die regional geltende Sitte, Erziehung, Erfahrung und nicht zuletzt Gewohnheit schaffen bewusste oder unbewusste Erwartungshaltungen. Vielleicht hegt man nicht die Erwartung, von einem Freund bei der Begrüßung umarmt zu werden. Vielleicht geht es sogar ohne ein Lächeln. Aber wenn noch nicht einmal ein »Hallo« kommt, steigt der Gesprächsbedarf dynamisch.

Und genau genommen ist die Annahme, dass das Gegenüber in einer konkreten Situation keine Erwartungen hegt, selbst eine Erwartung: »Ich erwarte, dass du nichts erwartest.« Verpackt ist diese Haltung gerne in Gedankenlosigkeit oder Ich-Bezogenheit, und ihr Lieblingssatz lautet: »Oh, ich bin davon ausgegangen, dass das für dich kein Problem ist.«

Spannend ist dann auch die Frage, wer sich selbst die Hoheit einräumt, die Kriterien für erlaubte und nicht erlaubte Erwartungen festzulegen. Relativ klar geordnet ist das im Arbeitsleben. Aber auch da ist es oft nur relativ klar. Im privaten Bereich haben wir es jedenfalls mit einer sehr viel diffuseren Lage zu tun.

Es wird wohl nicht anders gehen, als dass wir uns Erwartungshaltungen bewusst machen und dass wir miteinander aushandeln, was geht und was nicht geht. Erwartungen sind nichts Schlechtes, solange sie aus einem gemeinsamen Arrangement rühren. Dann werden sie zum gesunden Zeichen des gemeinsamen Rahmens. Und auch das eliminiert viel Stress in Beziehung, Freundschaft, Clique, WG, Familie, Verein und Beruf, überfordert die eigene Toleranz nicht und schafft stattdessen freie Kapazitäten für viel schönere Gesprächsthemen.

Dirk Röse Torfgewinnung

Montag, 22. Juni 2020

Das Leben ist gerecht. In meinem persönlichen Fall ist das Leben gerecht. Was mich irritiert, denn die Welt folgt unbarmherzig ihren eigenen natürlichen Regeln und als winzige Gesteinsformation irgendwo in der Weite des Alls entwickelt sie keinen Gerechtigkeitssinn. Mir ist auch bewusst, dass mich bei dieser Aussage manch einer mit Blick auf meine Vergangenheit für einen herzlosen, eiskalten Mistkerl halten wird. Mir ist zudem klar, dass manch anderer mir entgegenhalten wird, wie ich das Leben als gerecht empfinden kann nach alledem, was geschehen ist. Das Leben ist gerecht. In meinem Fall. Monatelang ließ mich der Gedanke nicht los. Kaum dass er sich eingenistet hatte, begann das Leben sich zu verändern und erweist zurzeit ein eigentümliches Gespür für Differenziertheit. Schon beginne ich wieder, dem Leben Heimtücke zu unterstellen. Ist das Leben immer noch gerecht?

Corona-Warn-App

Dienstag, 16. Juni 2020

Bitte installiert und nutzt die Corona-Warn-App auf Euren Smartphones. Jede zusätzliche Chance, das Virus in Schach zu halten, sollte genutzt werden.

Dirk Röse What If The Lord Psalm 124

Sonntag, 24. Mai 2020

»What If The Lord Had Not Been On Our Side« ist ein Lied aus dem Jahr 1993. Im selben Jahr entstand eine recht charmante Aufnahme nur mit Akustikgitarre und Robert Schröder, der die zweite Stimme übernahm. Die analogen Bänder kann ich leider nicht mehr neu abmischen und der digitale Transfer der damaligen Aufnahme bleibt unzufriedenstellend. Daher musste irgendwann eine Neuaufnahme her.

Donnerstag, 21. Mai 2020

Wie wichtig ist gesellschaftliche Akzeptanz? Wie wichtig ist es, ein Leben zu führen, das im privaten, sozialen, religiösen, politischen und beruflichen Umfeld nicht anstößt? Wie geht man damit um, wenn bestimmte Aspekte des eigenen Lebens von der Allgemeinheit nicht gutgeheißen werden?

 

Gesellschaftliche Akzeptanz ist überaus wichtig, weil sie einen in Frieden lässt. Wer auch nur in Teilen ein gesellschaftlich anstößiges Leben führt, muss damit rechnen, dass das eigene Dasein oder Sosein in Gesamtheit verurteilt wird. Wer anstößig lebt, darf felsenfest mit Anfeindungen, Spott, übler Nachrede, Unverständnis, Ausgrenzung und vielleicht auch beruflichen Konsequenzen rechnen. An diesem Punkt unterscheidet sich die sogenannte moderne, aufgeschlossene Allgemeinheit nicht von der Gesellschaft früherer Jahrzehnte und Jahrhunderte.

 

Wer sich also sehenden Auges in eine sozial inakzeptable Situation begibt, sollte sich zuvor vergewissern, ob es das wert ist, ob die eigene Psyche den unausweichlichen Shitstorm erträgt, ob die beruflich-wirtschaftliche Situation tragfähig bleiben wird und ob es Menschen gibt, auf deren Treue man zählen kann.

Leben braucht Verbündete.

Sonntag, 17. Mai 2020

Konturen im Nebel
Kurskorrektur
Segel setzen

Dienstag, 12. Mai 2020

Alles Liebe und Gute 
zum zwanzigsten Geburtstag, 
Madeleine.

Little Richard

Samstag, 9. Mai 2020

Seit Tagen sitze ich brütend vor meinem Klavier und warte auf diesen einen Augenblick, in dem es endlich passiert. Immer wieder zucken meine Hände und wollen schon in die Tasten greifen, doch dann bleibt die Eingebung aus und die Finger huschen fahrig zwischen Pepsi und Zigaretten hin und her. Manchmal stehe ich auf und laufe rastlos durch die Wohnung, rede mir ein, dass es kein Akkord, keine Melodie, nichts Musikalisches ist, das ich erwarte, und dass das Klavier womöglich nur hinderlich ist. Ich harre eines Wortes, eines verbalen Ausdrucks für alles, das in mir vibriert. Und dann sitze ich doch wieder am Klavier, denn eines ist klar: Das Wort, das ich suche, ist Klang, ist pure Energie, pulsierendes Leben, konzentriertes Lebensgefühl. Das Wort, das in mir heranwächst und das endlich heraus will, wird Musik gebären, wird eine neue Zeit anbrechen, wird Leben schenken.

Und ich, Richard, werde es sein, der dieses Wort hervorbringt. Ich bin Musiker, ich verkaufe Platten, bin ständig auf Tournee. Und ich spüre diese Mission in mir. Mag sein, dass es vermessen klingt, aber mir ist es beschieden, die Botschaft zu formulieren und unter die Menschen zu bringen. Und dieses eine Wort wird mich ihnen zu König und Königin zugleich machen.

Hoover und McCarthy hingegen werden scheitern. Sie wittern zwar die Gefahr und suchen nach jenen, die unsere Gesellschaft unterwandern. Aber sie bohren an der falschen Stelle. Nicht die Roten werden unser Land umwälzen. Von uns Schwarzen geht es aus. Obgleich mitten unter uns, bemerkt es niemand. Doch schon bald wird es offenbar werden und alle Mauern sprengen. Dann ist es zu spät, niemand wird es mehr eindämmen können, es wird die Staaten und anschließend die Welt fluten. Das klingt wie blanker Unsinn, wie die wirre Ausgeburt eines Geisteskranken. Aber wir schreiben das Jahr 1955 und die Zeit für einen Wandel ist gekommen. Vielleicht noch nicht heute, aber ganz sicher morgen.

Denn vor wenigen Tagen gab ich ein Konzert in einer dieser verschlafenen Tennessee-Südstaaten-Städte. Mein letzter Auftritt dort war offenbar in guter Erinnerung geblieben, denn diesmal strömten meine jungen Brüder und Schwestern scharenweise in den Saal, um mich zu hören, um die neue Musik zu hören, um zu erleben, wofür es noch keine Worte gab, um Teil dessen zu werden, das unsere Gesellschaft verändern würde.

Was mich aber nervös machte, waren die Weißen, die halb- und lautstark zum Konzert kamen, sich jedoch im hinteren Teil des Clubs in dunklen Ecken versteckt hielten und am liebsten nicht gesehen werden wollten. Auch sie ließen sich mitreißen. Nach dem Konzert sprach ich sie an, fragte sie, was sie hierher getrieben hatte. Sie erzählten mir von einem jungen Musiker. Er spielte wenige Tage zuvor hier in der Gegend, die gleiche Musik, den gleichen Beat, und er schlich, kroch und schlingerte über die Bühne wie ein brunftiges Tier, begattete seine Gitarre, seine pomadige Haartolle schoss Tiraden von Schweißperlen ins Publikum. Er sang Chuck Berrys »Maybelline« und Ray Charles‘ »I Got A Woman« – aber dieser Sänger war ein Weißer! Sein Name klang wie die Utopie einer glorreichen Zukunft, klang wie: »Alvin Pressley« oder so. Da rieselten mir kalte Schauer den Rücken hinunter. Ein Weißer, der schwarze Musik lebt. Ja, es ist bereits mächtig. Es beginnt Grenzen zu überschreiten, die bislang als unüberwindbar galten.

Und doch fehlen mir die Worte. Dabei weiß ich genau, dass jede Religion, jede Partei, jede Bewegung, die erfolgreich sein will, sich artikulieren muss. Leider ist alles, was mir einfällt, das genussvolle Japsen der Mädchen, die mit mir tiefergehende Erfahrungen sammeln. Läuft es am Ende lediglich auf Sex hinaus? Kein Wort, nur Laut?

Zugegeben, es ist erstaunlich, was plötzlich möglich ist. Vor wenigen Jahren noch undenkbar. Ich habe da beispielsweise nicht weit von hier ein Mädchen namens Sue. Junge, die weiß mich wirklich zu handhaben. Und ich möchte gar nicht wissen, wo sie das gelernt hat. Am liebsten aber ist mir Daisy, die mich jedes Mal fast in den Wahnsinn treibt. Sie treibt es zwar auch mit anderen, aber, Junge, sie ist einfach die, auf die ich am meisten stehe.

Ist es also nichts anderes als Liebe machen? Das kann nicht sein, denn was sich da anbahnt, findet nicht allein im Hinterhof statt. Es hat seinen Platz auf der Bühne, es verändert den Umgang mit Lehrern, es wirkt sich auf den Gang aus, mit dem wir uns durch die Straßen bewegen, zeigt sich in unseren Haaren, unseren Jeans und Schuhen, in den wippenden Petticoats der Mädchen, in der kühlen Cola und der Fluppe im Mundwinkel, im stolz erhobenen Haupt. Es ist alles und überall. 

Es ist … 
Es ist, verdammt noch mal!

Es ist ...
»A wop bop a loo bop a wop bam boom«

(In Erinnerung an Little Richard, 5. Dezember 1932 - 9. Mai 2020)

Freitag, 8. Mai 2020

»Apéro Digital«: Lock-Down-Kreativität mit den Freunden aus der Schweiz. 

Freitag, 1. Mai 2020

Deutschland trägt eine Maske. Die Corona-Pandemie wird zur ersten Kollektiverfahrung unserer Gesellschaft seit Jahrzehnten.

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»Et kütt wie et kütt. Et hätt noch emmer joot jejange.« Vielleicht war es in den vergangenen Jahrzehnten tatsächlich so einfach, wie es das Rheinische Grundgesetz besagt. Wir hatten uns fest daran gewöhnt, dass Dinge zwar schiefgehen können, aber dass sie unsere heile Welt nie ernsthaft in Gefahr bringen würden. Im Grunde wussten wir ja, dass wir sicher sind. Stolpern, Fallen und Scheitern blieben allgegenwärtig, aber die Zerbrechlichkeit des Lebens war stets eine individuelle Erfahrung oder das Erlebnis einer mehr oder weniger scharf umrissenen Teilgesellschaft. Sicherheit war die kollektive Erfahrung der letzten Dekaden.

 

Andere oder sogar gegenläufige Kollektiverfahrungen liegen für uns als Gemeinschaft der in Deutschland Lebenden weit zurück. 75 Jahre ist es her, dass ein heruntergekommenes Volk in einer Trümmerlandschaft kapitulierte. 30 Jahre ist es her, dass ein aufbegehrendes Volk der heruntergewirtschafteten Deutschen Demokratischen Republik das Ende bescherte. Vielleicht müssen wir die Ereignisse vom 11. September 2001 dazu zählen, als Terror sich selbst skalierte. Das waren tatsächlich die letzten Erfahrungen unserer Gesellschaft, von denen wir alle betroffen waren. Wir-sind-Papst, Sommermärchen und Finanzkrise kamen später und blieben doch eher partiell.

 

Es stellt sich nun die Frage, was das »Wir« in diesen Zusammenhängen bedeutet. Im Jahr 1945 war ich noch nicht auf der Welt. Inwieweit das Dritte Reich und der Zweite Weltkrieg dennoch zum kollektiven Erbe in der Seele der heutigen Generationen zählen, wird von Tiefenpsychologen noch debattiert. An den 9. November 1989 kann ich mich hingegen sehr gut erinnern. Doch das kollektive Erlebnis eines tiefgreifenden Systemwechsels blieb den Bürgerinnen und Bürgern der DDR vorbehalten. Auch die Anschläge auf das World Trade Center wirken nach, aber eher als Schock denn als kollektive Terror-Erfahrung. Wir blieben vor dem Fernseher sitzen und griffen in die gemeinsame Chipstüte.

Als Nation haben wir schon lange keine Erfahrung mehr geteilt, die nicht nur Individuum oder eine Teilgesellschaft einschneidend trifft, sondern alle. Die Corona-Krise ist die erste kollektive Erfahrung seit langem und für die meisten wahrscheinlich auch die erste überhaupt. Die ganze Nation steht still. Ein ganzes Land bleibt zu Hause und hält Abstand. Deutschland trägt eine Maske. Corona ist eine Macht, die uns alle zu Verhaltensänderungen zwingt. Der Gegner rüstet weder hinter dem Eisernen Vorhang auf noch wird er durch die Ummantelung einer Nuklearwaffe gebändigt. Der gemeinsame Feind kam gesellig zum Skifahren in der Business Class von Air China nach Europa. Und jetzt stehen wir alle auf seiner Piste und springen zur Seite. Mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit, die Klimawandel und AfD vor Neid erblassen lässt, hat Corona unsere Gesellschaft unterwandert und durchdrungen. Die von ihm ausgehende Gefahr lauert nicht länger irgendwo im Nebel der Abgase, die Gefahr ist mein Nächster, meine Partnerin, mein Kind, mein Kollege, das Wechselgeld beim Bäcker, die gemeinsame Chipstüte. 

 

Noch mag ich nicht daran glauben, dass die Corona-Krise uns alle und unsere geliebten Gewohnheiten dauerhaft verändert. Aber vielleicht wird uns fortan ein gewisses Misstrauen begleiten. Die Leute um mich herum in Konzert, Theater, Stadion, Kino und Restaurant konnten mir bislang gleichgültig sein. Vielleicht ist es mir in Zukunft lieber, wenn der Abstand zum Nächsten größer wird. 


Die kollektive Erfahrung der Corona-Krise hat unsere Erfahrung der kollektiven Sicherheit ins Wanken gebracht. Telefon, Messenger und Video-Call sind der neue Mindestabstand, die Digitalisierung unseres Lebens ist der Profiteur des Ganzen. Was bleiben wird, ist eine gewisse Entfremdung. Wir sind nicht absolut sicher.

Dirk Röse Dhana

Montag, 20. April 2020

Du hast dich an mich geschmiegt. Du hast dich an mich gepresst. Du warst ausdauernd. Du warst wild. Du hieltest still. Du bekamst deinen Willen. Und es war mein Wille zugleich.


Dir war alles egal. Du warst faul. Du warst störrisch. Du trottetest hinterher. Du ließest dich überzeugen. Du liefst voraus. Du warst ausgelassen. Wir fanden unseren Kompromiss.


Du warst dabei, als eine neue Zeit anbrach. Du warst mittendrin, als die Sonne schien. Du erlebtest, als das Straucheln begann. Du hast es gesehen. Du hast es gehört. Du hast es geteilt. Du hast es für dich behalten. Du hast mir einen tiefen Blick geschenkt. 


Wir hatten etwas gemeinsam. Wir konnten uns einlassen. Das war unsere Stärke. Das war unsere Schwäche. Das konnten nur wir. Du und ich.


Ich weiß noch, als du fuhrst. Ich wusste, dass etwas geschehen würde. Es gab kein Wiedersehen. Es ist viel zu lange her. Ich habe immer damit gerechnet. Doch damit habe ich nicht gerechnet. Deine Sachen stehen hier noch. Da, wo sie immer standen. Ich will es so lassen. So, wie du nie ganz da warst, bist du nie ganz weg.


Wir wären Freunde fürs Leben geworden. Gelassen hat man uns nicht. Ich hatte zu wenig von dir. Ich bin dankbar für das, was wir hatten. In all dem Durcheinander hattest du einen Blick auf mich. Und ich hatte einen Blick auf dich. Du warst Team. Du warst Familie. Du warst du. Du warst wir.


Respekt. Du warst der meiste Mensch.

Sonntag, 19. April 2020

Das Leben trägt jetzt Spuren von Corona. Vielleicht bleibt die Erfahrung, dass wir es geschafft haben, eine Katastrophe einzudämmen.

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Noch immer nimmt die Arbeit im Krisenstab Dreiviertel meines beruflichen Alltags in Anspruch. Viele andere Aufgaben bleiben liegen, müssen abends und am Wochenende erledigt werden oder bleiben weiter liegen. In gewisser Hinsicht kann ich Tony Haywards »I’d like my life back« inzwischen verstehen.

 

Das Coronavirus rückt näher, was in eigentümlichem Gegensatz zu den behutsamen Maßnahmen der Bundesregierung steht, die Kontakteinschränkungen zu lockern. Die Erlebnisse mit COVID-19 in meinem persönlichen Umfeld irritieren.

 

Eine Frau war zwei Wochen lang in Quarantäne, weil ein naher Verwandter sich angesteckt hatte. Wir hielten regelmäßig Kontakt zu ihr, doch sie schien gesund zu bleiben. Erst als die Rückkehr ins Büro besprochen wurde, hörten wir von ihr, dass auch sie die ganze Zeit über Symptome zeigte, aber nicht getestet wurde. Ich ahne, warum uns die Anzeichen einer Erkrankung verschwiegen wurden und warum nicht auf einen Test gedrängt wurde.

 

Eine andere Frau liegt seit zwei Wochen krank im Bett. Drei verschiedene Ärzte suchte sie auf und alle sagten, sie habe einen grippalen Infekt, nicht aber COVID-19. Dann wurde sie trotzdem auf das Coronavirus getestet und das Ergebnis war positiv. Ihr Mann hatte sich angesichts der ursprünglichen Diagnose die ganze Zeit über relativ frei bewegt, auch ich traf ihn immer wieder. Er war ja gesund. Nach dem neuen Befund wurde er ebenfalls getestet. Negativ. Erstaunlich, dass die hochansteckende Krankheit nach zwei Wochen Aufenthalt in derselben Wohnung nicht auf ihn übertragen wurde.

 

Ein Freund hatte sich unter ungeklärten Umständen angesteckt und liegt nun im Krankenhaus. Was die Angehörigen über die Behandlung der Krankheit mitteilen, ist erschreckend. Wenn es jemanden richtig hart trifft, ist COVID-19 die Hölle.

 

Zwei weitere Personen berichteten unabhängig voneinander von Tests auf das Coronavirus und der anschließenden Debatte zwischen den Ärzten, wie das Ergebnis zu bewerten sei. COVID-19 oder nicht COVID-19.

 

Ein weiterer Mann gehört zu einer der Hochrisikogruppen und muss seit Wochen strikt zu Hause bleiben. Seine Frau betreibt einen unglaublichen Aufwand beim Einkaufen und anderen Tätigkeiten, um das Virus nicht versehentlich einzuschleppen. Nachts schläft sie schlecht. Dies ist ein Aspekt, der im öffentlichen Diskurs so gut wie ganz fehlt: Die Pandemie mit ihren gesellschaftlichen Konsequenzen drückt auf die Psyche der Menschen. Wissen wir überhaupt etwas davon, was der Rückzug in die eigenen vier Wände anrichtet?

 

Eine Freundin betreibt eine Boutique und steht vor dem finanziellen Aus. Dass morgen die kleineren Geschäfte wieder öffnen dürfen, kommt hoffentlich noch rechtzeitig.

 

Das Leben jeder Einzelnen und jedes Einzelnen trägt ab sofort Spuren von Corona, bei einigen vorübergehend, bei anderen bleibend. Ich glaube noch nicht daran, dass wir uns als Gesellschaft dauerhaft grundsätzlich verändern werden. Aber wir werden sensibler sein gegenüber Gefahren, die Gesellschaft und Individuum gleichermaßen bedrohen. Und vielleicht bleibt die Erfahrung, dass wir es in einem gesellschaftlichen Kraftakt unter Beteiligung jeder und jedes Einzelnen geschafft haben, eine Katastrophe einzudämmen.

Vorausgesetzt, es gelingt uns tatsächlich, vorausgesetzt, das Virus kommt nicht in Wellen zurück. Corona könnte ein unliebsamer Lebensgefährte bleiben.

 

Bleibt zu Hause, haltet Abstand, tragt eine Maske, bleibt gesund.

Dirk Röse Land Of Darkness

Sonntag, 12. April 2020

Das Leid der Menschen in Syrien war unerträglich, und Aleppo war das Symbol eines Alptraums. Das Bedürfnis nach diesem Lied resultierte aus der Hilflosigkeit. 2016 geschrieben, entstand Anfang 2017 diese Aufnahme von »Land Of Darkness«. Es war das erste Mal, dass ich digital statt analog aufzeichnete und bearbeitete. Die Abmischung war allerdings viel zu zaghaft. Ohne weitere Spuren hinzuzufügen, fertigte ich jetzt diesen Re-Mix aus dem vorhandenen Material an. Nur die Gesangsspur kam neu hinzu. Ich wünsche den Menschen dort Frieden. 

Dirk Röse Maske tragen

Samstag, 11. April 2020

Eine Maske schützt. Nicht dich selbst. Die anderen. Beim Einkaufen, bei der Arbeit, im selben Raum. Wenn wir einen Mindestabstand von zwei Metern nicht einhalten können. Fair sein und das Ding tragen.

Lieber Josef, werd bloß wieder gesund.

Dirk Röse Waiting At Her Door

Sonntag, 29. März 2020

Urlaub im Coronahausarrest. Das Wetter ist kalt, aber herrlich und die Sonne durchflutet morgens die Räume. Ich nehme »Waiting At Her Door« auf und lande bei den Schlagersängern der 1970er Jahre. 

In dieser Aufnahme gibt es keinen Synthesizer und keine elektrische Gitarre. Alles wurde mit einer Westerngitarre eingespielt und anschließend am Computer bearbeitet. Für mich war das eine neue Erfahrung.

Dirk Röse Geest-Verlag Lyrik

Dienstag, 24. März 2020

Die Coronakrise treibt uns in die Häuser und Wohnungen. Doch anstelle von Erstarrung ist dies vielleicht die Chance auf neue innere Beweglichkeit. Es ist Zeit zum Lesen.

Der Geest-Verlag hat deshalb eine Sonderaktion aufgelegt: Fünf Lyrikbände gibt es versandkostenfrei für zusammen 25 Euro. Ein Paket aus drei Lyrik- und zwei Prosabänden sind ebenfalls versandkostenfrei für insgesamt 25 Euro erhältlich. Das Programm des Geest-Verlags ist voll von lesenswerten Büchern, die es hier zum einmalig günstigen Preis gibt. Lasst Euch überzeugen.

Schreibt einfach eine Mail an Alfred Büngen und Inge Witzlau unter info@geest-verlag.de.

Montag, 23. März 2020

Das Coronavirus ist gefährlich. Der Erreger hat sich zu einem gesellschaftlichen Phänomen ausgeweitet. Diesmal ist alles anders.

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Gut drei Wochen lang koordinierte ich einen Krisenstab, der nur einem Ziel folgte: Haltet das Virus von dem Unternehmen fern, in dem mehr als eintausend Menschen arbeiten. Minimiert das Risiko, dass Kolleginnen und Kollegen, dass Kunden und Geschäftspartner an COVID-19 erkranken. Sorgt dafür, dass dieser komplexe Organismus aus Rohstoffgewinnung, Produktion, Logistik, Vertrieb und Kundenbetreuung weiter pulsiert.
 
Zuerst kamen die gängigen Maßnahmen: Sensibilisierung der Belegschaft. Mehr Hygiene. Keine grenzübergreifenden Dienstreisen. Veranstaltungen absagen. Weniger Meetings. Nur die notwendigsten Besuche. Lesen, lernen, umsetzen. E-Mails, Aushänge, Merkblätter. Dann die ersten Eskalationsstufen. Die Kollegen im Schichtbetrieb wurden physisch voneinander getrennt. Sollte eine der Schichten betroffen sein und in Quarantäne geschickt werden, könnten zumindest die anderen Schichten weiterarbeiten. Vorbereitungen auf das Home-Office. Testläufe. In der Kantine halbierten wir die Anzahl der Sitzplätze und wiesen der Belegschaft Zeitfenster zum Essen zu. Und dann: Schließung der Kantine. Aufteilung aller Teams. Im Wechsel ging die eine Hälfte ins Home-Office, während die andere im Büro arbeitete. Die Flure verwaisten. Wenn man jemandem begegnete: Distanz halten. Und immer wieder die Frage: Ist das angemessen, was wir tun? Veranlassen wir zu viel oder zu wenig? Sind wir zu früh oder zu spät?

 

Jeden Morgen als erstes die Anrufe von Kollegen, die krank geworden waren. Grippaler Infekt oder Corona? Zuhause bleiben oder zur Arbeit? Die Anrufe von Kollegen, in deren Umfeld es einen Verdachtsfall gab. Wir gingen gemeinsam die Kontaktketten durch. Bestand ein Risiko oder nicht? Es galt, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen für die Gesundheit von Kolleginnen und Kollegen. Und alles ging gut. Soweit wir es überblicken konnten, war weltweit keine Kollegin, kein Kollege, kein Kunde, kein Geschäftspartner betroffen.

 

Es wunderte mich, welche Dynamik eine Krise schafft, die noch gar nicht angekommen war und bei der zunächst auch nicht absehbar war, ob sie jemals kommen würde. Doch im Grunde war dies der Idealfall einer Krise, wenn man noch viele Möglichkeiten nutzen kann, um sie abzuwenden. Unser Krisenstab war ein Krisenpräventionsstab. Und das war ein Privileg.

 

Seit Freitag habe ich Urlaub, die Kollegen führen den Krisenstab weiter. Eigentlich war ich froh, dem Ganzen für eine Woche zu entkommen. Doch das Coronavirus lässt es nicht zu. Ich sitze zu Hause. Das Wetter ist herrlich, aber die Cafés bleiben geschlossen, die Einkaufstour durch die Geschäfte muss aufs Internet verlegt werden, Reisen und Besuche sind nicht erlaubt. Ich frage mich, ob unter diesen Umständen überhaupt Erholung möglich ist oder ob das Ganze eine Grenzerfahrung wird.

 

Diesmal ist alles anders und das irritiert mich. Im Laufe der Jahrzehnte sah ich so viele Krisen kommen und gehen, bei denen düstere Szenarien durch die Medien geisterten. Gepanschter Wein. BSE. Gammelfleisch. Vergiftete Eier. Verunreinigte Medikamente. Vogelgrippe. Schweinepest. SARS. Kalter Krieg, echter Krieg und Terror. All das kam nie bei mir an und bei den meisten anderen Menschen auch nicht. Das war ein Privileg, denn zu viele andere hatten das Glück nicht. Zu sagen, dass wir immer irgendwie glimpflich davon gekommen sind und dass uns auch Corona glimpflich davon kommen lässt, wäre zynisch. Menschen wurden krank, Menschen litten, Menschen starben. Und was die Corona-Pandemie betrifft, sind wir gerade erst mittendrin. Ausgang völlig offen. Für glimpflich ist es zu spät.

 

Das Coronavirus ist tatsächlich gefährlicher als andere Erreger. Wer bei einer Infektion nur leichte Symptome zeigt, hat Glück. Eine Freundin, die sich mit der Materie auskennt, skizzierte, was diesmal anders ist: Viel zu viele Menschen werden infiziert. Das Coronavirus überträgt sich schneller als andere Erreger. Es gibt keine Impfstoffe. Die Sterberate ist höher. Viele Menschen verrecken elendig an dieser fiesen Lungenkrankheit. Die Bilder aus den Kliniken in Italien sind entsetzlich. Was in China, Iran, Italien und anderen Regionen passiert, ist eine Tragödie. Das Robert-Koch-Institut verbreitet nüchterne und gleichwohl eindringliche Botschaften. Corona ist gefährlich. Und als wäre all das nicht schlimm genug, zitieren die Medien dennoch lieber die Johns-Hopkins-University, weil dort die Fallzahlen stets deutlich höher sind als beim RKI.

 

Im Augenblick lässt sich offenbar nichts daran ändern, dass wir diese Krise wortwörtlich aussitzen müssen. Es darf dabei nicht unterschätzt werden, dass hier ganze Gesellschaften in die Individual-Isolation verbannt werden. Ich hoffe, das geht gut. Mir macht es etwas aus, bestimmte Menschen bis auf Weiteres nicht sehen zu können, weil sie zu einer Risikogruppe zählen. Mir macht es etwas aus, auf unbestimmte Zeit in meiner Wohnung gefangen zu sein. Mir macht das Coronavirus bislang keine Angst. Ich zolle ihm Respekt und reagiere genervt. Ist das alles noch angemessen? Sollte sich aus der Pandemie nun auch eine Wirtschaftskrise entwickeln – und danach sieht es leider aus –, dann wird es früher oder später auf jeden Fall zum Diskurs darüber kommen, wie angemessen das alles war. Mir ist bewusst, dass es dieser Tage politisch nicht korrekt ist, kritische Fragen zu stellen. Aber was hier geschieht, ist derart massiv. Es nagt an der heilen Welt, die ich gewohnt bin. Auch das ist wieder das Privileg des Glücklichen, der noch nicht betroffen ist. Ich weiß das. Es fällt mir schwer, nicht zynisch zu werden und dem dusseligen Erreger keine lange Nase zu zeigen.

 

Diese Krise ist anders. Sie ist gefährlich. Sie macht krank, sie kostet Leben, sie beeinträchtigt die Wirtschaft, sie gefährdet Existenzgrundlagen, sie nimmt eine ganze Gesellschaft gefangen und treibt die Menschen in die Isolation. Corona ist physisch. Es lebt, hat drei Dimensionen, ein Gewicht, eine Vorliebe für bestimmte Wirte und liegt vielleicht schon auf meiner Türklinke. Corona ist inzwischen aber auch ein gesellschaftliches Phänomen. Das Virus hat sich in allen wesentlichen Dimensionen des Menschseins eingenistet. Wir alle sind seine Gefangenen. Corona ist ein Miststück.

 

Bleibt zu Hause, bleibt gesund, alles Gute.


Dirk Röse Der Glimmende Docht

Samstag, 29. Februar 2020

Nach einer Pause von achtzehn Monaten jetzt also mal wieder ein bisschen Musik und ein Video-Clip. Geschrieben 2015, war »Der Glimmende Docht« das erste Lied mit deutschem Text nach dreiunddreißig Jahren. Seine Premiere beim Sommerfest des Geest-Verlags ging seinerzeit gehörig schief. Vielleicht schafft dies einen Ausgleich.

 

Den langen Stücken von Bob Dylan folgend, habe ich hier einfach Strophe um Strophe aneinandergereiht. Lerne von den Besten, auch wenn du ihnen nicht das Meerwasser reichen kannst.

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Samstag, 1. Februar 2020

Kamera-Test für die ersten Videoclips der Reihe »Vorgelesen«. Das literarische Niveau explodiert mit der Spontaneität ... Der Sound bleibt blechern. Die Linse versucht, den Fokus nachzuschärfen und erreicht das Gegenteil. Die Szene wirkt gestellt. Der Kamera etwas vorzutragen ist nicht dasselbe wie vor Publikum zu lesen. Es fehlt etwas Entscheidendes. Aber man wächst mit seinen Aufgaben.

Freitag, 31. Januar 2020

Am Abend bin ich erstmalig bei einer Lesung in der Lingener Buchhandlung Holzberg. Das Ambiente - umgeben von Büchern - ist natürlich ideal. Wer mag, kann ein Glas Wein trinken. Das Team ist nett und zuvorkommend. Eine echte Wohlfühlatmosphäre. Schön, dass die Veranstaltung so gut besucht ist. Durch den Abend führt die Inhaberin Andrea Salomon. Geladen sind Susanna Hübner, Dirk Henning Sutor und Elisabeth Tondera. Sie lesen ihre »Mordsgeschichten« aus der Anthologie »Das Tambacher Liebespaar«. Aufhänger der Geschichten ist der Fund zweier Saurier-Skelette bei Tambach, die unmittelbar beieinander liegen und deshalb als »Tambacher Liebespaar« bekannt wurden. Ich kann allen drei Vorlesenden sehr gut zuhören, ihre Beiträge sind gelungen. Bei der Lingener Autorin Elisabeth Tondera kommt in besonderer Weise zur guten Geschichte auch die Gabe zum lebendigen Vorlesen hinzu. Ein wirklich lohnenswerter Abend.

Dirk Röse Lesung Holzberg Lingen
Dirk Röse Lesung Holzberg Lingen
Dirk Röse Lesung Holzberg Lingen
Dirk Röse Lesung Holzberg Lingen

Sonntag, 26. Januar 2020

Schreiben und Vorlesen wirken. Sie bewegen etwas, hinterlassen etwas bei Lesenden und Zuhörenden. Zumindest hin und wieder, zumindest in Einzelfällen. Es ist nicht oft der Fall, dass eine Rückmeldung kommt, aber dass sie tatsächlich manchmal kommt, erstaunt mich stets aufs Neue. Und womöglich bleibt auch bei dem einen oder der anderen etwas zurück, ohne dass ich es je erfahre.

Dass jemand sagt, er oder sie habe sich selbst in einer Geschichte wiedergefunden. Dass eine ganze Lesung lange nachhallt. Dass jemand einen wertvollen Gedanken mitnimmt. Einmal wurde mir gesagt, dass eine der Geschichten einen echten Impuls für einen Neuanfang im Leben gegeben habe. Dann fehlen mir die Worte …

Dahinter verbirgt sich auch eine Verantwortung, denn es ist nicht immer sicher, dass gelesene oder vorgelesene Worte auch das gewünschte Ziel erreichen. In einer Szene aus »Metathesis« sitzen sich Gut und Böse gegenüber und erörtern, was eben gut und vor allem böse am jeweils anderen ist. Ein Theologe sagte mir, dass der Diskurs hochspannend sei. Gut so. Die Redakteurin einer Zeitschrift aber legte mir dar, welche Schlüsse sie selbst aus jenem Kapitel gezogen habe, und da sträubten sich mir die Nackenhaare. Es war das Gegenteil meiner Absicht. Bis heute scheinen die – wenigen – Lesenden »Metathesis« insgesamt als religionskritischen Roman einzustufen.

Wahrscheinlich ist dieses Phänomen nicht zu bändigen. Schreiben und Vorlesen wirken. Aber wie sie wirken, bleibt den Lesenden und Zuhörenden überlassen. Ich kann Worte nur sorgsam abwägen.

Samstag, 25. Januar 2020

Die zweite Osnabrücker Buchmesse im Haus der Jugend. Ich bin angenehm überrascht. Die Veranstaltung ist liebevoll gemacht, die Räumlichkeiten sind großzügig, es gibt einen eigenen Bereich für Kinder, die Cafeteria bietet Kaffee, Kuchen und sogar einen kleinen warmen Imbiss. Ich bin über Mittag hier. Selbst zu dieser Zeit sind viele Interessierte zu Gast. Das finde ich gut, denn es gibt leider auch Veranstaltungen, bei denen die Autoren ihr eigenes Publikum bilden.

In einem der Räume werden Mini-Klemmbretter gebastelt. Es gibt einen Workshop zum Buchbinden. Die Lesung von Stefan Wellmann sehe ich mir an. Danach suche ich das Gespräch mit einigen Autorinnen und Autoren an deren Ständen. Rolf Glöckner schreibt Märchen und Fantasy-Thriller. Petra Keup sucht die Musik in historischen Schöpfungsmythen und Märchen. Miriam Rademacher hat bereits unglaublich viele Fantasy-, Krimi- und Kinderbücher veröffentlicht. Eine Schulklasse hat ein eigenes Buch erstellt, das sich mit Kinderrechten auseinander setzt. Sie sind so stolz ... Als ich ein Exemplar kaufe, sagen sie mir, dass ich ein gutes Herz habe.

Gaststadt ist Lingen an der Ems. Ich unterhalte mich länger mit den Autorinnen und Autoren aus meiner neuen Heimat, die sich untereinander offenbar recht gut kennen. Das war vielleicht ein wichtiges Gespräch.

Mit einigen neuen Büchern in der Tasche geht es dann wieder nach Hause.

Dirk Röse 2. Osnabrücker Buchmesse
Dirk Röse 2. Osnabrücker Buchmesse
Dirk Röse 2. Osnabrücker Buchmesse
Dirk Röse 2. Osnabrücker Buchmesse
Dirk Röse 2. Osnabrücker Buchmesse
Dirk Röse 2. Osnabrücker Buchmesse
Dirk Röse 2. Osnabrücker Buchmesse
Dirk Röse 2. Osnabrücker Buchmesse

Montag, 20. Januar 2020

Nur so ein Gedanke ... Schuld ...

Nur so ein Gedanke ... Verantwortung ...

Nur so ein Gedanke ... Verletzung ...

Mittwoch, 1. Januar 2020

Euch und Ihnen allen
ein frohes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2020 
mit vielen lebenswerten Augenblicken.

Vielleicht sehen wir uns hier wieder:

Donnerstag, 9. April 2020: Café Leutbecher, Oldenburg
Sonntag, 3. Mai 2020: Pro Vita, Vechta
Freitag, 12. Juni 2020: Sommerfest des Geest-Verlags, Vechta-Langförden
2. Jahreshälfte 2020: Buchhandlung Holzberg, Lingen